Il Borgo di Otranto

Otranto ist ein Hauch von Poesie, der durch die Straßen der Altstadt weht, zwischen all den Handwerksläden und kleinen Restaurants, die den Duft der einfachen Küche in den Gässchen versprühen. Die Altstadt ist eine Rosenknospe, vom Meer und der Neustadt umgeben. Die alte Ringmauer ist eine Zeitmaschine: sie führt an einen Ort, der weder Vergangenheit noch Gegenwart ist, wo versteckte Ecken mit blühenden Balkonen zu entdecken sind und elegante Paläste mit ihren nackten Mauern das berühmte Gänsehautgefühl hervorrufen. Die Stadt Otranto streckt ihre Hände gen Osten aus, steht jedoch mit beiden Beinen fest auf westlichem Boden. Otranto wird sanft als erste Stadt Italiens vom Sonnenaufgang geweckt, von der „Punta Palascia“ bis hin zum Bauxit-Steinbruch, der ganzen adriatischen Küste entlang, von der aus man an heiteren Tagen, sobald die Meeresbrise den Dunst weggeblasen hat, das Gebirge Albaniens am Horizont sehen kann.

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Geschichte

In der Geschichte Otrantos gibt es einen schwarzen und tiefen Einschnitt, wie ein dunkler Brunnen, in dem Otranto für ein Jahr unterging. Es ist das Jahr 1480, als 18.000 Männer, Soldaten und 150 Schiffe an Otrantos Hafen ankommen; es sind die Osmanen, die von den Küstenstädten gefürchtetsten Angreifer. Gnadenlos überfallen sie die Bevölkerung Otrantos, die mutig und entschlossen kämpft, bis sie völlig erschöpft und bis auf die Knochen zermürbt, gezwungenermaßen und mit gebrochener Seele ihre Stadt den Türken überlassen muss. Ein Jahr lang besetzen diese Barbaren aus dem Orient die Stadt, zerfleischen sie im wahrsten Sinne des Wortes, zerstören ihre Kultur und ihr wichtigstes Symbol: das basilianische Kloster San Nicola. Hinter seinen Mauern befand sich die größte Bibliothek des Westens und das erste College der Geschichte, das Schüler aus ganz Europa aufnahm.  Auf dem Berg Minerva bringen die Sarazenen 800 Männer um, deren einzige „Schuld“ es war, sich nicht zum Islam bekennen zu wollen. Diese 18.000 Soldaten weisen keinerlei Spur von Menschlichkeit auf, es fließt kein warmes Blut durch ihre Adern. Um Otranto zu retten, eilen die Spanier herbei, die es schaffen, die Türken zu vertreiben. Die Grausamkeit besiegt kein Volk, das sich den Mut groß auf die Flagge geschrieben hatte: die Märtyrer der Stadt Otranto sind heute Heilige, ihre Überreste ruhen in der Kathedrale, und die Bände, die vor dem Brand des Klosters gerettet wurden, werden heute in den bedeutendsten Museen Europas aufbewahrt, von Berlin über London bis hin zu Moskau. Die Kanonenkugeln aus weißem Granit, mit denen Otranto von den Türken angegriffen wurde, sind heute noch in der Altstadt zu sehen: es sind Narben einer Wunde, auf der sich die Stadt ein neues Leben aufgebaut hat.

Doch die Geschichte Otrantos hat auch eine andere Seite: die Vergangenheit eines Ortes, der dank seines Hafens groß geworden ist, der ihn zur Brücke zwischen Ost und West gemacht hat. In seiner Kathedrale wurden 12.000 Kreuzfahrer gesegnet, die sich auf den Weg ins Gelobte Land machten, woher 1219 der Heilige Franziskus zurückkehrte und an der Küste Otrantos anlegte, wo er ehrfurchtsvoll empfangen wurde.

Heute ist Otranto eine der wichtigsten Touristenstädte Italiens, die Zeichen ihrer Vergangenheit sind nach wie vor in der Altstadt sowie außerhalb der Ringmauer gut zu erkennen. Durch das Meer und ihr Altstadtzentrum ist die Stadt ein wahrer Schatz der Region Salento und Unesco-Welterbe, da „Zeugin des Friedens“.

Das Aragonische Schloss

Otrantos Schloss wurde Ende des 15. Jahrhunderts auf Wunsch von Alfonso d’Aragona erbaut, und schließt den Verteidigungsring, der die Stadt über Jahrhunderte hinweg schützte. Wo heute dieser mächtige Bau zu sehen ist, stand einst eine Festung aus der Zeit der Staufer, die dem Druck der türkischen Invasion nachgegeben hat. Mit den Spaniern, die Otranto 1481 befreiten, wurde ein richtiges Schloss gebaut, das nach wie vor der Verteidigung diente. Es wurden zwei zylinderförmige Türme mit Schießscharten gebaut und nachträglich ein Turm, der „Diamantspitze“ genannt wurde, das Schloss wurde von einem Graben umgeben, der nie Wasser trug, sondern „nur“ dazu diente, Feinde fernzuhalten. Die, die es dennoch schafften, einzudringen, wurden von Kanonenkugeln getroffen, die von bestimmten Punkten aus abgefeuert wurden und sich mit den anderen Kugeln kreuzten, die aus den frontalen Schießscharten abgeschossen wurden, eine rasante Technik, die es niemandem ermöglichte, sich dem Schloss zu nähern. Otrantos Schloss ist aber nicht nur aus historischen, sondern auch aus literarischen Gründen bekannt, da sich in seinen Mauern Walpoles Roman „The Castle of Otranto“ abspielt, ein Roman, der in der Weltliteratur eine ausschlaggebende Rolle spielt, da er 1764 geschrieben wurde und tatsächlich der erste gotische Roman der Literaturgeschichte ist.

Das aragonische Schloss ist als einfacher Bau entstanden, der Krieger und Waffen beherbergen konnte, heute jedoch ist es ein Kulturzentrum, das im Inneren seiner Festungsmauern bedeutende Ausstellungen und Veranstaltungen anbietet.

Die Kathedrale

Auf dem höchsten Punkt der Ortschaft wurde die Kathedrale, eine von Apuliens größter Kirche, gebaut. Sie ragt auf einem historisch äußerst wichtigen Platz empor, denn genau dort standen bereits ein römischer Wohnsitz, eine messapische Ortschaft und ein urchristlicher Tempel.

Otrantos Kathedrale wurde im Mittelalter, zwischen 1080 und 1088 errichtet und in ihren Mauern kann man die unterschiedlichen Auftraggeber deutlich erkennen, die das Gebäude mit verschiedenen Stilrichtungen bereichert haben, angefangen von der barocken romanischen Fassade aus Lecceser Stein bis hin zur Rosette in sizilianischem gotischen Stil, die auf das Renaissance-Zeitalter zurückgeht.

Das Innere ist in zwei Reihen großer Säulen geteilt, die das Hauptschiff bilden, dessen Boden vom größten Mosaik Europas bedeckt ist: zu sehen ist ein Lebensbaum, reich an geheimnisvollen Bedeutungen, die heute noch zahlreiche Wissenschaftler nach Otranto locken.

Am Ende des Hauptschiffes finden wir die Paladin-Kapelle, in der die Überreste von 600 Märtyrern aufbewahrt werden. Die Reste der anderen 200 Heiligen wurden in die Kirche Santa Caterina nach Formello, Neapel überführt, wo sich eine Kapelle befindet, die dem Heiligen Antonio Primaldo und den Märtyrern von Otranto gewidmet ist.

Hinter dem Hauptaltar steht der Felsblock, auf dem die 800 Märtyrer enthauptet wurden; die Legende erzählt, dass das erste Opfer, Antonio Primaldo, wie durch ein Wunder, ohne Kopf, für die Dauer der gesamten Hinrichtung, stehen blieb.

Die Decke der Kathedrale ist eine Seltenheit in der Provinz Lecce, in maurischem Stil, mit goldfarbenen Holz“kästen“ auf schwarz-weißem Untergrund.

Der gesamte Grundriss der Kathedrale steht auf 42 monolithischen Säulen, die sich in der Krypta befinden, scheinbar völlig unstrukturiert verteilt, die wie Baumstämme aussehen und mit dem darüber liegenden Mosaik in Verbindung zu bringen sind. Sie vermitteln dem Besucher einen Eindruck der Verwirrung und erinnern gleichzeitig an den arabischen Stil der Moscheen.

Bauxit-Steinbruch, Punta Palascia

Kurz vor Otranto, in einer Waldlandschaft gelegen, mit den unzähligen Nuancen des Meeres im Hintergrund, finden wir den (ehemaligen) Bauxit-Steinbruch. Dieser Ort kann sich ohne Zweifel auf das Podium der meistfotografierten Plätze der Region Salento stellen. Bis 1976 wurde in diesem Steinbruch Bauxit abgebaut, ein Erz, aus dem Aluminium gewonnen wird. Nach der Stilllegung, hat das Wasser aus dem Unterboden einen kleinen smaragdgrünen See geschaffen, der der roten Erde der Felswände und dem Grün des Waldes entgegenwirkt. Dieser Bauxit-Steinbruch, heute Orte-See genannt, ist sicherlich einer der plakativsten Orte der Region Salento. Nur wenige km weiter der Landstraße entlang, kommen wir zum Leuchtturm der „Punta Palascia“, dem östlichsten Punkt Italiens, wo heute auch das Museum des Meeres besichtigt werden kann.

Torre Sant’Emiliano, der “Kochtopf der Riesen”

Entlang der Küstenstraße von Porto Badisco kann man den Verteidigungsturm „Sant’Emiliano“ bewundern, wunderschön in der landschaftlichen Einsamkeit gelegen, die ihn umgibt.

In der Nähe des Turmes findet man eine wahrhaftige Seltenheit: einen sogenannten „Kochtopf der Riesen“. So werden die Felserosionen genannt, die vom Wasser wie richtige natürliche „Schalen“ ausgehöhlt werden. Normalerweise kann man dieses Phänomen in der Nähe von Sturzbächen und Wasserläufen bewundern und nur selten in Küstennähe. Im Salento kann man gleich zwei davon bestaunen: eine in der Nähe der Brücke „Ciolo“ und die andere eben hier, in der Nähe des Turmes „Sant’Emiliano“. Ausgerechnet hier hat sich die Natur sogar noch mehr ins Zeug gelegt, da sie zusätzlich zur „Felsschüssel“ auch noch einen Brocken in der Mitte geformt hat, der mit der Zeit eine nahezu perfekte runde Form angenommen hat, ein wunderschönes und einzigartiges Meisterwerk.

 

Die Seen Alimini

Auf dem Weg weiter Richtung Torre dell’Orso, kommen wir an den Seen Alimini vorbei, die ein atemberaubendes Panorama bieten und zu Apuliens Naturschutzgebieten gehören.

Die Seen Alimini sind zwei Becken unterschiedlicher Größe, „Alimini Grande“ ist der Große Salzwasser-See, von Felsen und Pinienbäumen umgeben, und „Alimini Piccolo“, der Kleine See, auch „Le Fontanelle“ genannt, mit Regen- und Quellwasser. Beide Seen sind durch einen kleinen Kanal miteinander verbunden.

Die Alimini-Seen bewahren ein sehr seltenes Flora- und Fauna-Ökosystem. In ihrer Nähe finden wir Sumpf-Orchideen, Wasserkastanien und eine fleischfressende Pflanze, die beim Kontakt mit Insekten ihre „Blasen“ öffnet und sie verschlingt. Wasserhühner und Tafelenten leben ebenfalls in diesem wunderbaren natürlichen Habitat.

Otrantos Mosaik und die Suche nach dem Heiligen Gral

1163 begann der Bau dessen, was heute als größtes Mosaik Europas bezeichnet wird und sogar einen entsprechenden Podiumsplatz unter den größten Mosaiken der Welt verdient. Es wurde unter der Leitung des basilianischen Mönches Pantaleone gebaut. Es stellt einen riesigen Lebensbaum dar, von zwei Elefanten gestützt, Symbol der christlichen Stärke. Im Mosaik werden Szenen des Alten Testaments wiedergegeben, mit Fantasie-Tieren, Tierkreiszeichen, aber auch Darstellungen von König Artus und Szenen des täglichen Lebens.

Es ist in drei Teile aufgeteilt, die das gesamte Hauptschiff bedecken und sinnbildlich die Geschichte des menschlichen Geschlechts verkörpern. Otrantos Mosaik ist reich an esoterischen Bedeutungen, die viele Mythen und Legenden beflügeln. Die meist verbreitete sieht das Mosaik als Schrein des Heiligen Grals. Die Tatsache, dass der Baumeister ein Mönch war, der Elemente der Artus-Sage beschrieben hat, deren Stil und Themen in keiner benachbarten Kirche zu finden sind, unterstützen diese These. Dem muss hinzugefügt werden, dass die Türken diese Kathedrale als Heerlager aussuchten, die somit als einziges Denkmal nicht zerstört bzw. beschädigt wurde. Waren vielleicht auch sie auf der Suche nach dem Heiligen Gral? Das Geheimnis wird für immer im Grab des Mönchs Pantaleone bleiben.

 

 

Die Grotte der Hirsche

1970 entdecken fünf Männer zwischen den Klüften des Riffes von Porto Badisco eine seltsame Steinansammlung, entscheiden, diese zu verschieben und befinden sich auf einmal in langen Gängen, die zu einer großen Höhle führen, die vollständig mit Wandmalereien bedeckt ist: diese Höhle ist heute als „Höhle der Hirsche“ bekannt. In nur fünf Tagen wurde die Höhle erforscht, fotografiert und gesichert, aber keiner derjenigen, die damit in Berührung gekommen waren, war sich dessen bewusst, vor einer der größten altsteinzeitlichen Höhlen zu stehen. Eine ganze Reihe unterirdischer Gänge führen zu der Grotte, die ein wahrer Tempel ist, nach den Bedürfnissen derer geformt, die darin lebten, mit Steinmauern, um sich vor Überschwemmungen zu schützen, kleinen in den Sandstein gehauenen Stufen und bildhaften Darstellungen, mit der roten Erde und dem schwarzen Fledermausmist, der den Boden bedeckt, erstellt. Detaillierte Szenen der Jagd auf Hirsche wechseln sich mit Darstellungen von Frauen ab, die mit Schamanen tanzen, von Versammlungen von Stammeshäuptern aus fernen Ländern, aber auch stilisierte menschliche Figuren, ZickZack-Zeichnungen und wiederholte „S“ finden sich fast überall.

Die Gruppe der Höhlenforscher, die sie entdeckte, nannte sie „Eneas Grotte“, auf der Legende basierend, dass der trojanische Held in Porto Badisco anlandete, doch das Land, wo sie sich befanden, wurde einst „Land der Hirsche“ bezeichnet und daher hat die Grotte dann später diesen Namen angenommen.

Die „Grotte der Hirsche“ ist ein Schmuckstück des Salento, das sicher am wenigsten hervorgehoben wird und kaum bekannt ist, da gefährlich und kaum zugänglich. Seit mehr als 47 Jahren trennt ein hohes Gitter ein Stück Zeitgeschichte, die vor 5000 Jahren stehen geblieben zu sein scheint von einem anderen, das sich in ständiger Bewegung befindet.

Die Legende des Schlosses

Jedem Schloss sein Geist, und so konnte sich auch Otrantos Burg dieser Sitte natürlich nicht entziehen. Und so schwören heute noch Manche, sie hätten ein seltsames Wesen gesehen, das sich in dem „Diamantspitzenturm“ und im Inneren des Schlosses herumtreiben würde: es handele sich um den Geist der „Donna Teresa de Azevedo“, einer spanischen Adligen, die sehr jung starb und dadurch ihren Mann, den damaligen Präfekt von Otranto, in der absoluten Trostlosigkeit zurückließ. Im Gedenken an seine Gemahlin ließ er  in der Kapelle des Schlosses ein Grabdenkmal aus Lecceser Stein errichten; an der Wand im oberen Stockwerk befindet sich ein Fresko mit dem Porträt eines Aristokraten, und es wird behauptet, es sei der Ehemann von Teresa, der sich verewigen ließ, um für immer über seine Frau wachen zu können. Das Gespenst von Otranto hat die Aufmerksamkeit des Italienischen Vereins von Geheimnisforschern geweckt: 2014 begab sich ein Team, mit der Erlaubnis des Bürgermeisters, ins aragonische Schloss, wo die speziellen Gerätschaften merkwürdige Stimmen und Geräusche aufgenommen und an bestimmten Stellen plötzliche thermische Veränderungen registriert haben. Nichts desto trotz ziehen es die Wissenschaftler, die vor Ort waren, vor, eher vorsichtig mit gewagten Thesen zu sein, da es um übersinnliche Phänomene geht.

Ennio Capasa

1960 wird Ennio Capasa in Otranto geboren, schließt die höhere Kunstschule in Lecce ab und zieht anschließend nach Mailand, wo er an der „Accademia di Brera“ weiterstudiert. Er startet eine stetig aufsteigende Karriere als Modedesigner mit internationalem Erfolg: Tokyo, Paris und Mailand, um nur einige der Stationen zu nennen.

1986 präsentiert er seine erste Kollektion CoSTUME NATIONAL. 2005 arbeitet er mit Ducati zusammen und entwirft eine limitierte Accessoires-Linie. Zur Zeit lebt er in Mailand.

Ettore d’Amore

Ettore d’Amore war ein Marschall der Carabinieri. Er wurde mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet, zum Gedenken an die Tatsache, einem Verbrecher alleine entgegenzutreten und ihn in die Flucht geschlagen zu haben, obwohl er tödlich verletzt worden war.

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