Il Borgo di Andria

Es ist kein Zufall, dass der Stauferkaiser Friedrich II. seinen wichtigsten Sitz in der Nähe von Andria erbauen ließ: seine Stadt „Andria Fidelis“ muss den Kaiser damals schon mit ihrem rätselhaften und faszinierenden Charme in ihren Bann gezogen haben. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus Gässchen und Sträßchen und man muss aufpassen, nicht in die gerade mal 42cm breite Gasse San Bartolomeo zu geraten, von der in Andria behauptet wird, sie sei die schmalste Gasse Italiens. Ob das wohl stimmt? Wer weiß… Sicher aber ist Andria eine Ortschaft mit bezaubernden Ausblicken und einzigartigen Details: ein Beispiel sind die Adelswappen, die von den mittelalterlichen Adelshäusern erzählen, aber auch die Votivkirchen, Zeugen echten Glaubens. Über den zahlreichen Schönheiten Andrias thront das „Castel del Monte“, das Schloss, das dem Volksglauben zublinzelt und von diesem seit Jahrhunderten begleitet wird, was ihm zu Ruhm und Faszination verholfen hat. Der Puer Apuliae (Apuliens Sohn) wollte das Schloss als Symbol der Perfektion in dieser Stadt, die er so liebte und es fällt einem nicht schwer, zu verstehen, warum er gerade von diesem Ort so fasziniert war.

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Andria ist der wichtigste Ort in dem Landstrich, der als “kaiserliches Apulien” bekannt ist, zwischen Mythen und Legenden, Rittern und Kreuzrittern, vor allem aber mit Schlössern, die der Kaiser Friedrich II diesem Land als Erbe hinterlassen hat. Auch die Ursprünge der Altstadt Andria sind kontrovers und mit religiösen Mythen behaftet. Eine Legende erzählt, die Entstehung des Ortes könne auf das 1. Jahrhundert n. Chr. zurückgehen, als der kranke Heilige Andreas in den Karstgrotten der Region Zuflucht fand, die danach den Namen Andreia erhielten. Will man jedoch den ersten offiziellen Unterlagen Glauben schenken, muss man in der Zeit weit nach vorne gehen, nämlich nach 1046, als Petrus I der Normanne Andria zu einer Festungsstadt erhob. Ab dem 12. Jahrhundert ist Andria unauflöslich an das Staufergeschlecht gebunden und vor allem an den Puer Apuliae (den Sohn Apuliens), den Kaiser Friedrich II, der genau hier sein bezeichnendes Schloss Castel del Monte erbauen ließ. 1266 wird Andria eine Grafschaft und fällt an das Haus der Anjou.

Mit der neapolitanischen Revolution stellte sich Andria offen auf die Seite der Bourbonen-Prinzen, was dazu führte, dass die Stadt geplündert und in Brand gesetzt wurde. Joachim Murat (Schwager Napoleons) regierte die Stadt nur für kurze Zeit, trug jedoch maßgeblich dazu bei, die Feudalherrschaft abzuschaffen und alle Kirchengüter einzuziehen. Mit der Einheit Italiens, stellte sich Andria erneut auf die Seite des Königreichs beider Sizilien und rief ein großes Raubrittertum in der Region hervor. Nichts desto trotz gab es viele patriotische Liberale und selbst Garibaldi kann sich einer Wahl zum Gemeinderat dieser Stadt im ersten Parlament des Königreiches Italien rühmen. Andria lebt von der Landwirtschaft und deshalb erheben sich im Jahre 900 die zahlreichen Tagelöhner gegen die Latifundienwirtschaft und die schlechten Arbeitsbedingungen. Die Bauernaufstände verstärkten sich noch mehr während der 20jährigen faschistischen Herrschaft und während des Zweiten Weltkriegs. Die Landwirtschaft ist heute noch eine wirtschaftliche Stärke dieser Stadt. Andria ist einer der bevölkerungsreichsten Orte Apuliens und wurde vor kurzem zum Regierungsbezirk ernannt, eine Rolle, die sich die Stadt mit den nahegelegenen Orten Trani und Barletta teilt.

Castel del Monte

Der Stauferkaiser Friedrich II stieg in einem Alter auf den Thron seines Kaiserreichs, in dem Kinder heutzutage mit Bällen und Autos spielen, er war gerade mal 3 Jahre alt. Er hat sein Leben lang Menschen begeistert, mit seiner Scharfsinnigkeit und erhabenen Kultur, weshalb er bis heute als „stupor mundi“ bekannt ist (das Staunen der Welt). Der Kaiser liebte Apulien und hinterließ der Region seine Juwelen, nicht in Form von Diamanten oder goldenen Diademen, sondern als Schlösser und Festungen, die viele kleine und große Ortschaften entstehen ließen. Von all den Wohnsitzen des Puer Apuliae (Sohn Apuliens), war das „Castel del Monte“ in Andria der wichtigste. Und genau dieses Schloss wurde mit der Zeit zu einem Symbol der Region und Anziehungspunkt für unzählige Touristen, die auch wegen des mysteriösen Hauchs, der das Schloss schon immer umgab, angelockt werden. Seine Planimetrie wurde mit mathematischer Strenge erstellt und das Ergebnis ist eine architektonische Struktur, die an eine symbolische Ewigkeit erinnert, eng verstrickt mit der immer wiederkehrenden Zahl 8: achteckig der Grundriss des Schlosses, 8 Räumlichkeiten im Erdgeschoss sowie im ersten Stock, 8 Winkel und 8 Außentürme, selbstverständlich achteckig. Auf diesen merkwürdigen Elementen basiert der Volksglaube, der seit Jahrhunderten die Popularität dieses Schlosses aufrechterhält. Manche glauben, es sei eine wissenschaftliche Schule gewesen, andere sehen es als idealen Ort, um geheime Pläne zu schmieden; wieder andere behaupten, es sei ein konfessionsloser Tempel und dann sind da noch diejenigen, die darin ein Adlernest sehen. Dabei ist die einzige Gewissheit die, dass man noch nicht wirklich etwas von diesem Schloss weiß. Eine unwiderlegbare Wahrheit ist die, dass das Schloss so gebaut wurde, dass die Länge des Schattens am Tag der Herbsttag- und -nachtgleiche der Hofbreite, einen Monat später der Summe aus Hof- und Saalbreite entspricht, und einen weiteren Monat später erstreckt er sich bis zur Außenkante der Türme. Der Baustein des Mauermantels ist heller gelblicher oder grauweißer in der Umgebung gebrochener Kalkstein. Das Material des Eingangsportals und einiger ausgewählter Bauelemente ist Breccia rossa (= rote Brekzie), ein Konglomeratsgestein, einige der Säulen in den Innenräumen sind aus grau-orangefarbenem Marmor. Der ursprüngliche Fußboden aus farbigem Mosaik ist nur noch in Spuren erhalten. Jeder Raum im Erdgeschoss verfügt über ein einfaches Monoforium, im Obergeschoss über ein gotisch beeinflusstes Biforium. Es gibt eine einzige Ausnahme: der Saal Richtung Andria, der über ein Triforium verfügt, was die Liebe Friedrichs II für diese Stadt bezeugt, die er Andria Fidelis getauft hatte. Das Castel del Monte, mächtig und erhaben, gehört seit 1996 zum UNESCO Welterbe.

Die Kathedrale der Aufgefahrenen Maria

Die aktuelle Kathedrale von Andria steht auf der kleinen Kirche San Pietro (Heiliger Petrus), die noch vor dem Jahr 1000 errichtet wurde und im Nachhinein zur Krypta des nachfolgenden Gotteshauses wurde.

Die Kathedrale wurde auf Wunsch des Grundherren von Andria, Goffredo D’Altavilla, um das 12. Jahrhundert erbaut. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde sie oft umgebaut, besonders zu erwähnen sind die Umbauarbeiten zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert, die zur Vollendung der Fassade und des äußeren Bogengangs geführt haben. Das Äußere wurde in zwei Phasen errichtet: der untere Teil mit Säulengang und Spitzbögen stammt aus 1844, während der obere Teil mit romanischer Handschrift und zentraler Rosette auf 1900 zurückgeht. Der Glockenturm steht auf einem quadratischen Grundriss aus langobardischer Zeit.

Im Inneren finden wir drei Kirchenschiffe mit 10 Kapellen, die erst nach der Restaurierung 2008 wieder geöffnet wurden. Unter dem Gotteshaus befindet sich die antike Krypta, eine frühchristliche kleine Kirche mit ganz persönlichem Charakter.  

Andria,  auf der Suche nach kleinen Felsenkirchen und dem ursprünglichen Christentum

Unweit des Zentrums von Andria befindet sich eine kleine Kirche: es ist die Kirche der „Santa Maria dei Miracoli“ (die Heilige Maria der Wunder).

Die Kirche ist in drei Ebenen geteilt und versprüht eine Atmosphäre starker Geistlichkeit und Frömmigkeit, typisch für die ersten christlichen Niederlassungen und gleichzeitig in dem oberen Teil einen  reinen Renaissance-Stil.

In der Krypta befindet sich ein Fresko der Madonna mit Kind, das mit Mythen und mittelalterlichen Legenden behaftet ist. Ein Stück weiter oben finden wir die Kapelle des Gekreuzigten, mit vielen Fresken geschmückt, die die Passion Christi  darstellen, aber auch Sibyllen und Propheten. Die obere Kirche ist jünger und an allen Wänden mit Gemälden und Fresken geschmückt.

Die Felsenkirche Santa Croce (Heilig-Kreuz-Kirche) hingegen ist teilweise in Tuffstein gemeißelt, während der andere Teil aus einem Tuffsteinmauerblock besteht. Ein Teil der Kirche ist mit Fresken im byzantinischen Stil geschmückt, der andere Teil wird mit einer Legende in Verbindung gebracht, die besagt, dass das Holz von Jesu Kreuz von Elena gefunden worden wäre, Mutter des Kaisers Konstantin. Dieses Motiv, das der Kirche ihren Namen verleiht, ist auch auf einem Teil der Mauer gemalt, es geht von dieser Legende aus und geht bis zu den biblischen Szenen des Sündenfalls zurück.

Das Konfekt-Museum

Über die Jahre hinweg war es bei Feierlichkeiten und allen weiteren Anlässen dabei, es hat die treuen und unermüdlichen Freunde des süßen Desserts stets begleitet: das Konfekt. Von Groß und Klein geliebt, finden wir es heute in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Aromen, aber immer in der klassischen und unersetzlichen Form.  Einst wurde das Konfekt lediglich aus Zucker mit einer Mandelfüllung hergestellt, und konnte in ganz Apulien gefunden werden, leider eine kaum bekannte Tradition. Wenn man von Konfekt spricht, kommt man nicht an der Familie Mucci vorbei, die in Andria mit etwas Fantasie und Weitsicht diese süßen Köstlichkeiten seit 1894 herstellt und heute in ihrem alten Wohnsitz das Konfekt-Museum eingerichtet hat. In einem kleinen Palast im Liberty-Stil, befinden sich die vier Säle, die das Museum ausmachen, in denen man das „Werkzeug“ und die Verarbeitungstechniken einiger Spezialitäten des Familienbetriebs bewundern kann. Der vierte Raum gefällt den Besuchern sicherlich am Besten, da man dort nicht nur viel sehen, sondern vor allem Bonbons und Konfekt probieren kann, wie auch hervorragende pure Schokolade.

Die vielleicht engste Straße Italiens

Enge Gassen und Sträßchen sind die Seele jeder Altstadt, jede davon mit ihrer eigenen Schönheit und ihren eigenen Besonderheiten. Und genau so ein einzigartiges Merkmal einer der zentralsten Straßen Andrias schürt seit Jahren eine Diskussion zwischen den Mitbürgern. Einige von ihnen behaupten nämlich rege, dass ihre Gasse San Bartolomeo die engste Gasse Italiens sei, und nicht der „Vicolo della Virilità“ aus den Marken, der aktuell den Guinness Rekord hält. Was die beiden Gässchen voneinander unterscheidet, ist weniger als 1cm! So ist die Gasse San Bartolomeo am Anfang etwas breiter und wird dann immer enger. In einigen Ecken dieser bezeichnenden Gasse sind noch die Originalmauern erhalten, auch wenn leider alle 8 Meter des Sträßchens komplett von Vandalen durch Graffiti verunstaltet wurden. Ob nun die engste oder nicht, diese Gasse in der Altstadt Andrias ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wie auch ein Erinnerungsfoto, denn es wird schwierig sein, irgendwo anders ein ähnliches machen zu können.

Kaiserliche Bestattungen

Die Krypta, die sich unter der Kathedrale Andrias befindet, ist ein antiker Raum mit Kreuzgewölben und schnörkellosen Säulen. In dieser einfachen kleinen Kirche sind die Überreste von Isabella von England und Jolanda de Brienne aufbewahrt, beide Ehefrauen des Kaisers Friedrich II. Die Geschehnisse um diese beiden Frauen sind kontrovers und noch unklar: der Kaiser heiratete sie aus diplomatischem Interesse und so Manche behaupten heute noch, die beiden Frauen seien vergiftet worden. Seit dem Mittelalter hielt sich der Volksglaube aufrecht, der besagte, dass in den beiden Gräbern, die sich am Eingang der Kathedrale befanden, genau diese beiden Frauen ruhen würden. Auf der Suche nach der historischen Wahrheit, stieß man beim Öffnen ihrer Gräber direkt auf die Überreste von mindestens 9 Menschen, einige darunter weder vom Geschlecht noch vom Alter her identifizierbar. Die Annahmen blieben also unklar und lückenhaft bis zum Anfang der 90er Jahre, als weitere Studien bestätigten, dass unter den 9 gefundenen Körpern mit Sicherheit zwei Frauen waren. Bei der einen handelt es sich um eine Frau, die zwischen ihrem 25. und 35. Lebensjahr verstorben ist und die mit großer Wahrscheinlichkeit Isabella von England war, die mit 27 Jahren bei der Geburt ihres Kindes starb. Die Zweite war ein Mädchen, das zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr ums Leben kam und wahrscheinlich Jolanda de Brienne war, die mit 16 Jahren starb, nur wenige Tage nach der Geburt ihres Sohnes Konrad. Es war nicht ungewöhnlich im Mittelalter mehrere Körper in einem Grab zu bestatten, doch es ist seltsam, dass zwischen den namenlosen Knochen auch die Überreste zweier bedeutender Kaiserinnen zu finden waren.

Lino Banfi

Alle kennen in Italien die Serie „Nonno Libero“. Er war sicher eine der meist geliebten Fernsehfiguren der letzten Jahrzehnte und diese Rolle hat Lino Banfi auch unter den neueren Generationen bekannt gemacht.

Lino Banfi heißt eigentlich Pasquale Zagaria, er wurde am 11. Juli 1936 in Andria geboren und zog mit 3 Jahren nach Canosa di Puglia. Pasquale trat bei Dorffesten auf und mit 18 Jahren zog er nach Mailand um sein Glück am Varieté-Theater zu suchen, mit Volkssprüchen und sympathischen apulischen Klischees. Der Dialekt des nördlichen Apuliens ist bis heute sein Markenzeichen.

Die 60er Jahre sind sein Sprungbrett in eine Karriere, die in den 70er und 80er Jahren so richtig aufblüht. Lino Banfi ist zusammen mit vielen anderen Schauspielern eine der Hauptfiguren der italienischen sexy Komödie.  Die 80er Jahre sind das Jahrzehnt seiner bekanntesten Filme.

In den darauffolgenden Jahren leitet er vor allem Fernseh-Varieté-Shows, wie z. B. „Stasera Lino“ aus dem Jahr 1989. 1998 nimmt er dann am Cast der Serie „Un Medico in famiglia“ teil, lässt damit alle bis dahin gespielten Rollen hinter sich und schlüpft in die Figur des Libero Martini, einem sympathischen Opa einer Großfamilie.

Zeitgleich arbeitet er für das Fernsehen und Kino weiter und 2007 stellt er erneut die beliebte Figur des Oronzo Canà dar, in der Fortsetzung einer seiner Filme.

In seiner Arbeit ein vielseitiger Profi, privat seit über 50 Jahren mit Lucia verbunden, mit der er zwei Kinder hat, den Sohn Walter und die Tochter Rosanna, die ebenfalls Schauspielerin ist.

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