Il Borgo di Lecce

Lecce ist aus konzentrischen Ringen aufgebaut, die in ihrer Mitte ein pulsierendes Herz einschließen: das antike Lupiae.

Die Stadt besteht aus Büros und Studenten, die die Straßen bevölkern, was ihr diesen beschwingten und jugendlichen Hauch verleiht. Die städtische Unruhe dringt jedoch nicht bis zur Altstadt durch, die nach wie vor weiterbesteht, von den Resten ihrer Ringmauer geschützt. Man betritt das Altstadtzentrum durch drei Eingangstore, und gelangt durch die Gassen Richtung Piazza Sant’Oronzo: ein wahrer Knotenpunkt von Gässchen und Sträßchen.

Lässt man den Stadtverkehr hinter sich, gelangt man in eine Altstadt, durch die man in Ruhe zu Fuß geht oder mit dem Fahrrad fährt, und dabei Geschichte und authentische Kunst einatmet.

Die Rosenkranzkirche, die Kunstakademie, und weiter auf der Via Libertini, bis sich uns ganz überraschend der Domplatz auftut: eine wahre Wonne barocker Kunst, eingetaucht in die sanften Farbtöne des Lecceser Steins. Die Stadt ist immer schön, doch mit Einbruch der Dunkelheit sieht alles noch bezaubernder aus.

Lecce bewundert man mit dem ständigen Blick nach oben, zwischen den barocken Balkonen und Gässchen schlendernd, aber auch in den eher versteckten Sträßchen und Pfaden, die es zu entdecken gilt.

Der Heilige Orontius beobachtet von seiner hohen Säule das Treiben der Bevölkerung, ob beim Eisessen, bei der Besichtigung des römischen Amphitheaters oder beim Flanieren Richtung „Via Trinchese“, der modischen Einkaufsmeile… Und er scheint ihnen allen einen Rat geben zu wollen: lasst euch von der gepflasterten Gasse führen, die euch zur „Chiesa di Santa Croce“ bringt (Heilig-Kreuz-Kirche), der wahren Seele der Stadt Lecce, zwischen Pappmaché-Werkstätten und dem alten Judenviertel.

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Geschichte

Die Gründung Lecces verliert sich in den Rätseln der Zeit und ist eng verbunden mit einer alten Legende, die besagt, Lecce hätte bereits vor dem Trojanischen Krieg bestanden, ca. 1200 Jahre vor der Geburt Christi.

Die ersten Spuren menschlicher Ansiedlung gehen auf die Eisenzeit zurück, doch es waren die Messapier, die Lecce zu einer Art Stadt-Staat machten und ihr den Namen „Lupiae“ verliehen.

Auf diese messapische Zeit ist die innige Bindung zwischen Lupiae und Rudiae zurückzuführen, einer nahegelegenen Stadt, Geburtsort des lateinischen Dichters Quinto Ennio.

Die Eroberung des Gebietes durch die Römer, bringt Lupiae wirtschaftlichen Wohlstand und stellt den Beginn einer baulichen Ausdehnung dar, die in den folgenden Jahren Lecces Stärke sein wird.

Zwischen dem I. und II. Jahrhundert vor Christus werden das Amphitheater sowie das römische Theater gebaut, und die Stadt wird durch ein Straßensystem mit dem Hafen von San Cataldo verbunden, was ihr zu einem Aufschwung des Seehandels verhilft.

Lecces Stärke erleidet im Mittelalter einen Einbruch, da die Stadt in der Zwischenzeit Grafschaft wurde, und somit an verschiedene Geschlechter fällt und die grausamen Streifzüge der Sarazenen erleidet, denen nur die Ankunft der Anjou-Herrscher ein Ende setzen können. In der Tat, lässt Karl V die Ringmauer verstärken, die während des messapischen Zeitalters errichtet wurde, und baut die Burgfestung, die heute noch seinen Namen trägt und sorgt in Lecce aber vor allem für eine Kunst-Revolution, die unter dem Namen „Salentinische Renaissance“ bekannt wird. Er bahnt dadurch einen kulturellen Aufschwung an, der sich während der spanischen Herrschaft noch verstärken und das Wachsen der Stadt bis in die heutige Zeit begleiten wird.

1600, das Zeitalter der Reformation und katholischen Gegenreformation, ist für die Geschichte der Stadt Lecce ein wichtiger Punkt, denn in diesem Jahrhundert kommt barocker Wind auf, der zum Bau von Kirchen und Adelspalästen führen wird. Der Domplatz, der Palast Celestini, die Kirche Santa Croce sind nur einige der Symbole der Stadt, die mit ihren barocken Verzierungen, ihrer Üppigkeit und Eleganz ins Staunen versetzen.

Lecce wächst während der Vereinigung Italiens und des faschistischen Zeitalters weiter, und bewahrt doch unverändert den Reiz einer kultivierten und lebhaften Stadt, was auch der Universität zu verdanken ist, die Lecce zu einem exzellenten Wissenszentrum macht.

Porta Rudiae, Porta Napoli und Porta San Biagio

Es fällt nicht schwer, sich Lecce in der Vergangenheit als blühende und leutselige Stadt vorzustellen, umgeben und geschützt von ihrer Ringmauer. Diese umschloss ein Gebiet von 50 ha, zu dem man durch zahlreiche Eingangstore entlang der Mauer Zutritt hatte. Heute ist von diesem Abwehrsystem nur wenig übriggeblieben: nämlich drei Zugangstore zum historischen Altstadtzentrum und ein Stück Ringmauer, das gleichzeitig der nördliche Eingang zur Stadt war, und heute, dank einer jüngsten Restaurierung, wieder in ursprünglicher Pracht erstrahlt.

Das älteste der drei noch bestehenden Tore ist die „Porta Rudiae“, mit Blick auf die Universitätsstraße, und stellt für die Stadtbevölkerung einen historischen Bezugspunkt dar.

Die „Porta Rudiae“ erhebt sich auf den Überresten eines mittelalterlichen Tores, und wurde 1703 errichtet, als es nicht mehr nötig war, sich vor äußeren Gefahren zu verteidigen, somit konnte man sich hauptsächlich auf den ästhetischen Faktor konzentrieren und das Portal wurde durch barocke Verzierungen bereichert.

Das Tor ist dem Heiligen Oronzo gewidmet, der sich an der Spitze der Konstruktion befindet; neben seiner Statue befinden sich auch die Heilige Irene und der Heilige Sebastian, zweitrangige Schutzpatronen der Stadt.

Die seitlichen Büsten beziehen sich auf wichtige Figuren des messapischen Zeitalters: die Königin Equippa ist dargestellt, ihr Ehemann Idomene, der Bruder Dauno und schlussendlich Melennio, ihr Vater, dem die Gründung der Stadt zugesprochen wird. Nach seinem Namen ist auch die unterirdische Straße benannt, die einer Legende nach zur antiken Vorstadt Rudiae führen soll.

Nicht weit entfernt von der „Porta Rudiae“, finden wir die „Porta Napoli“, die zu den gepflasterten Gässchen des Altstadtzentrums führt und deren Geschichte eng mit den türkischen Überfällen und der Präsenz des Anjou-Hauses in der Stadt verstrickt ist. Viele sehen in diesem Tor einen Triumphbogen in romanischem Stil, wegen der typischen Baustruktur und der in die Fassade eingemeißelten Militärwappen, diese Annahme wurde jedoch bis heute noch nicht geklärt.

Einige Ausgrabungen um das Tor herum, haben zahlreiche messapische Gräber zum Vorschein gebracht und mit großer Wahrscheinlichkeit sind noch viele davon vergraben. Eine Legende besagt, dass in der Nähe der „Porta Napoli“ auch die Überreste des Heiligen Giusto zu finden sind, dem das frühere Tor gewidmet war, das genau an der gleichen Stelle stand.

Das letzte Tor zur Altstadt ist die „Porta San Biagio“, weit entfernt von den anderen beiden, und „schließt“ die Altstadt am Ende einer Straße, die unter den Studenten als „Straße der Pubs“ bekannt ist. Dieses Tor wurde 1774 neu aufgebaut, in der Fassade sind dorische Säulen und Verzierungen aus dem Lecceser Tuffstein zu finden, mit zwei Stadtwappen und der Statue des Heiligen Oronzo.

Weit und breit kein Zeichen vom Heiligen Blasius (San Biagio), dem das Tor auf Wunsch des Bauträgers gewidmet wurde. San Biagio war ein armenischer Bischof, der als Märtyrer ca. im Jahre 316 starb, weil er seinen katholischen Glauben nicht ablegen wollte. San Biagio ist als Beschützer vor Halskrankheiten bekannt und wird in zahlreichen italienischen Städten verehrt.

Der Obelisk

Nicht alle kennen die wahre Geschichte des Obelisk in Lecce, der oft fälschlicherweise dem römischen Zeitalter zugewiesen wird, dabei ist er in Wirklichkeit sehr viel “jünger”, als er scheinen mag. Er wurde 1822 von Vito Carluccio errichtet, um des Besuchs von König Ferdinand I. in Lecce zu gedenken.

Der Obelisk ist eine Säule auf quadratischem Grundriss und ist reich an Flachreliefs, die in den Tuffstein gemeißelt sind. Unter den vielen Symbolen befindet sich auch das Wappen des antiken „Landes von Otranto“: ein Delphin mit einem Halbmond im Maul, der an die harten Kämpfe der Bevölkerung gegen die Sarazenen erinnert. In den auf der Säule verewigten Inschriften, werden einige der bekanntesten Orte des Salento aufgezählt, samt ihrer Entfernung zu Lecce; die längste Schrift ist eine Zusammenfassung des Besuchs des Königs „des Königreiches der beiden Sizilien“.

Der Domplatz

Wo die “Via Libertini” auf die gepflasterte “Via Palmieri” trifft, tut sich der Domplatz auf: eine barocke Pracht! Dieser Platz wurde als Hof geplant und wurde in der Vergangenheit am Abend von zwei mächtigen Toren abgeschlossen. Auf dem Platz stehen der Dom von Lecce, der Glockenturm, der Bischofssitz und der Palast des Priesterseminars.

Der Dom ist ein Werk des Architekten Giuseppe Zimbalo, dessen Handschrift sich sehr häufig im Lecceser Barock wiederfindet. Die Kathedrale wurde auf den Resten antiker Tempel gebaut, zwischen 1659 und 1670 wurde sie zerstört, da sie angeblich nicht den Bestimmungen des Konzils von Trento entsprach und wurde danach erneut aufgebaut, wie wir sie heute sehen.

Die Fassade, die alle Besucher verblüfft, die zum Domplatz kommen, ist in Wirklichkeit die Seitenfassade der Kathedrale, die durch die Statuen der beiden Heiligen Giusto und Fortunato verschönert wird sowie durch zwei Säulen, die das Tor begrenzen und eine Balustrade stützen, auf der die Statue des Heiligen Oronzo steht. Noch weiter oben sehen wir das Wappen des Msgr. Luigi Pappacoda, Bauträger der Kirche.

Derselbe Bischof hat auch die vier Statuen ausgesucht, die die Hauptfassade schmücken, die sehr viel nüchterner als die Seitenfassade ist, jedoch bereichert von einem Prachttor in Bronze, im Jahre 2000 vom Künstler Armando Marrocco, zu Ehren des Jubiläums in dem Jahr, gebaut.

Im Inneren finden sich goldfarbene Dekorationen, die den Kirchenschiffen ein mystisches Licht verleihen und barocke Altäre unter einem hölzernen Himmel, der das gesamte Hauptschiff durchzieht.

Der Glockenturm ist außerhalb der Kirche, auf ihrer linken Seite, und ist ebenfalls ein Werk des Architekten Zimbalo. Rechts der Kathedrale befindet sich der Bischofssitz, der durch seinen Säulengang schlicht und gleichzeitig mächtig wirkt. Er wurde als luxuriöser Wohnsitz entworfen, da er die Macht der Kirche darstellen sollte.

Der Palast des Priesterseminars schließt den Platz, er wurde vom Architekten Giuseppe Cino entworfen, der den Leitlinien des Architekten Zimbalo folgte. Der Palast hat eine einheitliche Fassade, abwechselnd von Lisenen und Pfeilern gekennzeichnet, und einen zentralen Balkon. Trotz seiner schlichten, ja fast strengen Schönheit, weist er  auch einige kleine barocke Verzierungen im Tor und unter den Balustraden auf.

Sehr sehenswert ist der Kreuzgang im Inneren, verschönert durch das sanfte Grün des Rasens und die Stauden, die einen Barockbrunnen umgeben (Vera Ovale genannt), über dem die Statue der Heiligen Irene steht.

Seit 2004 ist der Palast Sitz des Diözesanmuseums Heiliger Kunst. Dank der gezeigten Fundstücke wird die Religions- sowie Kunstgeschichte der Stadt Lecce und der gesamten Provinz erzählt.

 

Die “Piazza Sant’Oronzo” (der Platz des Heiligen Orontius)

Die Piazza Sant’Oronzo ist der bekannteste Platz der Stadt, zu dem viele kleine Gässchen und Straßen führen und von dem aus alle starten, auf der Suche nach Geschäften, Restaurants und Sehenswürdigkeiten.

Er ist der Schwerpunkt der Geschichte und Kultur der Stadt Lecce, reich an Symbolik und bedeutenden Stätten.

Der Heilige Orontius steht mitten auf dem Platz auf einer hohen Säule mit Kapitell, die heute noch Streitpunkt zwischen Lecce und Brindisi ist.

Im Volksmund wird tatsächlich erzählt, die Säule sei von den „Brindisinern“ gebaut worden, als Abschlusspunkt der Via Appia in der Nähe ihrer Stadt. Die Säule wurde Herkules gewidmet, was der Vizekönig jedoch als unangemessene Geste empfand, und die Säule samt Kapitell somit nach Lecce verlegen ließ, mit einer Tafel, die besagte, die Bevölkerung der Stadt Brindisi hätte die Säule der Stadt Lecce gestiftet. Dies war jedoch nicht der Fall, und damit begann eine Rivalität zwischen den beiden Städten, die bis heute zu spüren ist.

Der Heilige Orontius wurde Lecces Schutzpatron, nachdem er die Stadt vor der Pest bewahrt hatte; die heutige Statue, die ihm gewidmet ist, stammt aus dem 18. Jahrhundert und hat die ältere ersetzt, die durch eine nahe Feuerwerksexplosion zerstört wurde.

Die Statue wurde von einem Venezianischen Künstler in Holz geschaffen und mit Kupfer bedeckt. Der Volksmund sagt, die drei geöffneten Finger des Heiligen bezeichnen die „Richtigen“, im Sinne von „Dummen“, nämlich Mönche, Priester und die, die keine Kinder bekommen, andere wiederum behaupten, sie beziehen sich auf die drei Schutzpatronen der Stadt: die Heiligen Orontius, Giusto und Fortunato. Vermutlich wurde der Heilige jedoch einfach in dem Moment der Segnung der Stadt dargestellt.

Die Präsenz der Venezianer erkennt man auch an der kleinen Kirche San Marco sowie am Symbol der venezianischen Stadt, das sich in der Fassade findet. Heute ist die Kirche Sitz des Vereins der Kriegsveteranen. Neben diesem kleinen Gebäude befindet sich ein Palast, der früher einmal Sitz der Gemeindevertretung war.

Auf seinen Stufen verweilt man heute, um eine Kleinigkeit zu essen, miteinander zu plaudern oder ein Eis zu genießen, doch früher nahm man auf denselben Stufen an den Foltern der Verurteilten teil.

Wo im Mittelalter das grausame Rad zur Folter und Hinrichtung der Verurteilten aufgestellt wurde, findet man heute eine Mosaikdarstellung eines Wolfes, Symbol der Stadt Lecce. Abergläubische Studenten hüten sich davor, den Wolf zu „betreten“, da erzählt wird, er würde Pannen oder Missgeschicke verursachen und somit zu einem Verzug des Studienabschlusses führen.

Neben der Piazza befindet sich auch das Römische Amphitheater.

 

Das Römische Amphitheater

Eine Mischung aus Furcht und Neugier muss die Belegschaft angetrieben haben, die am Fundament einer Bankfiliale arbeitete. Wir sind am Ende des 19. Jahrhunderts, und die kreisförmige Anordnung der Gebäude neben der Piazza Sant’Oronzo ließ vermuten, dass wohl ein unterirdischer Hohlraum bestehen müsse, doch niemand hätte es je gewagt, sich etwas darüber hinaus vorzustellen. Die Arbeiten beginnen eher aus Neugierde und einer Wette heraus und zur großen Überraschung aller, brachten sie das römische Amphitheater zum Vorschein. Für die Architekten und Baumeister war es vor allem eine Revanche gegen alle, die sie verspottet hatten und gegen die Lokalzeitungen, die mit ihrer „beißenden“ Satire die Stadt aufgehetzt und zum Lachen gebracht hatten.

Das Amphitheater, das wir heute sehen, ist nur ein Teil des Originals, dessen übrigen Teile für immer unter der Gnadenkirche und den alten Handwerksstätten begraben bleiben werden. Eine Gravur in den Mauern trägt den Namen „Traiano“, was dazu geführt hat, das Theater dem Römischen Kaiserreich zuzuordnen, also zwischen dem I. und II. Jahrhundert v. Chr., doch mit großer Wahrscheinlichkeit ist es sogar noch älter. In seiner Ganzheit muss es so groß sein, dass mehrere tausend Personen darin Platz hätten und dies ist ohne Zweifel ein Zeugnis der Wichtigkeit Lecces im römischen Zeitalter.

Auf den Mauern können noch Tierdarstellungen erkannt werden, wie z. B. von Bären, Hirschen, Löwen und Stieren, die in der Innenarena gejagt wurden. Die Jagd exotischer Tiere war eine der Vorstellungen, die man vormittags im Amphitheater sehen konnte, während um die Mittagszeit Hinrichtungen stattfanden, oder aber Kämpfe zwischen den zu Tode Verurteilten, und am Nachmittag ging es mit Gladiatoren-Kämpfen weiter. Heute hat das römische Amphitheater dieses blutige Gewand abgelegt und ist vor allem im Sommer ein beliebter Ort für Theatervorstellungen und kleine klassische Konzerte, während es im Winter jahrelang als perfekte Kulisse für die traditionelle Weihnachtskrippe diente.

Der Palast Sozi Carafa

Etwas abseits der Piazza Sant’Oronzo, findet man den Palast Carafa von der “Via Libertini” kommend. Auftraggeber dieses Palastes ist der Bischof Alfonso Sozi Carafa. Es wurde 1542 gebaut, um einen Nonnenorden zu beherbergen, wurde dann zerstört und auf Wunsch des Bischofs wieder aufgebaut.  Zu diesem Zeitpunkt war der Barock bereits verblasst und der Architekt des Gebäudes war dem Reiz des Rokoko verfallen, der sich im weichen Verlauf der Gesimse wiederfindet. In der Fassade ist das Wappen der Familie Carafa zu sehen.

Nach der Vereinigung Italiens hat die Stadt den Palast gekauft, der somit seine religiöse Bedeutung verlor und zum Rathaus wurde.

Das Römische Theater

Das römische Theater befindet sich im Herzen der Altstadt, von Gässchen umgeben und hinter Palästen aus dem 17. Jahrhundert versteckt. Es war 1929, als am Fundament eines Hauses gearbeitet wurde und man mit großer Überraschung auf etwas sehr Hartes, bereits in den Fels Gehauenes, stieß. Es war der sogenannte Zuschauerraum (cavea, der lateinische Name der heutigen Freitreppe), und es war auch der Anfang der Entdeckung eines römischen Theaters, das während Augustus‘ Kaiserreich erbaut wurde. Mit den Ausgrabungen kamen auch einige Statuen des darauffolgenden Zeitalters zum Vorschein, die das Theater schmückten und heute im Museum „Sigismondo Castromediano“ zu besichtigen sind.

Es konnte nur ein kleiner Teil des Theaters ausgegraben werden, doch man nimmt an, dass einige tausend Zuschauer darin Platz fanden. Im Gegensatz zum Amphitheater, war dieses kleinere Theater kultureller Schauplatz: hier wurden in der Tat Komödien und Tragödien dargeboten.

Die Theater der Stadt Lecce

Die „Via Trinchese“ verbindet die Piazza Sant’Oronzo mit der Piazza Mazzini, die heute Piazza Trecentomila heißt. Sie ist eine Einkaufsmeile bedeutender Geschäfte mit den bekanntesten Marken, aber hier ist auch das majestätische Theater Apollo zu finden. Von allen Theatern der Stadt Lecce ist dies das jüngste, hat dafür aber die bewegteste Geschichte. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut, um mehr Zuschauern Platz zu bieten: es ist ein eindrucksvolles Theater mit einem Säulengang der das Architrav in neoklassizistischem Stil trägt. Trotz seines mächtigen Eindrucks und seiner Größe, fiel 1986 der letzte Vorhang. Es sind traurige Jahre, in denen das Theater der Brutalität der Zeit nachgibt und verfällt. Doch dann beginnen die Renovierungsarbeiten, die lange Jahre dauern und es erst im Februar 2017 ermöglichen, das Theater wieder in neuem Glanz gebührend zu eröffnen, mit Anwesenheit des Präsidenten Sergio Mattarella und des Kultusministers Dario Franceschini.

Das älteste der drei Theater in Lecce ist das Theater Paesiello, ein Schmuckstück aus dem 17. Jahrhundert in neapolitanischem Stil. Schönheit reicht leider nicht immer aus, und so wird es im 19. Jahrhundert für die Bevölkerung zu klein, da seine Größe nur Prosa-Vorstellungen zulässt. Donato Greco spürt die Unzufriedenheit des Volkes und entscheidet, ein größeres Theater zu bauen, in dem auch bedeutende Symphonie-Werke dargeboten werden können.

Zu diesem Zweck wird das Theater Politeama Greco gebaut, das heute noch der Familie gehört und seit seiner Einweihung 1884 jedes Jahr namhafte Werke präsentiert, von Prosa bis hin zu Opernmusik. Dieses Theater wurde über die Jahre von bedeutenden künstlerischen Leitern geführt, darunter z. B. Katia Ricciarelli und der Tenor Tito Schipa.

Das Schloss Karl V.

Um den Überfällen der Sarazenen die Stirn zu bieten, lässt Karl V. das Verteidigungssystem Lecces verstärken, das hauptsächlich aus einer Ringmauer bestand und baut, genau an der Stelle, wo vorher ein normannischer Turm stand, eine Burgfestung, die heute noch seinen Namen trägt.

Die typische Militärburg zeigt keinerlei Verzierungen auf. Im Erdgeschoss ist ein Tor, das zum großen Saal des Hauptgebäudes führt, reich an Säulen und dorischen Kapitellen sowie weiter zum Garten. Der obere Stock ist durch weite, lichtdurchflutete Atrien gekennzeichnet, der Salon wurde erst kürzlich restauriert.

Heute wirkt nur noch das äußere Erscheinungsbild der Burg spartanisch, im Laufe der Jahre fanden in ihren Räumlichkeiten bedeutende kulturelle und künstlerische Veranstaltungen statt.

 

 

Die Basilika “Santa Croce” (Die Heilig-Kreuz-Kirche)

Geht man die “Via dei Templari” (die Straße der Tempelritter) entlang, gelangt man zum hebräischen Viertel. Einige Spuren des jüdischen Lebens in Lecce sind in den Mauern des Palastes Personè versteckt, wie auch in den dahinterliegenden Gässchen. Im Laufe der Jahre erlangten die Juden eine privilegierte soziale Stellung, weshalb sie von der restlichen Bevölkerung nicht mehr gern gesehen waren, die sie mit Unterstützung der königlichen Macht zunächst in Ghettos absonderte und dann aus der Stadt jagte.

In diesen Zusammenhang fällt die Enteignung des Grund und Bodens der jüdischen Familien, um dem Bau der Basilika Santa Croce Platz zu machen. Diese Kirche ist mit ihrer Fassade das berühmteste Symbol des Lecceser Barock geworden und nicht selten sieht man Menschen davor, die mit erhobenem Blick die stilisierten Gesichter der vier Auftraggeber zwischen den Verzierungen suchen.

Der Grundstein zum Bau der Basilika wurde 1353 gelegt, auf Wunsch des Grafen von Lecce, Gualtieri VI de Brienne, doch die Bauarbeiten wurden mit seinem Tod jäh abgebrochen und erst 1549 wieder aufgenommen, dank der Beharrlichkeit der lokalen Arbeiterschaft. Doch genau diese musste viel Kritik einstecken und fand kaum Zustimmung, als die Fassade fertiggestellt war, denn das Volk empfand die Vermischung heidnischer und christlicher Symbole als nicht angemessen.

Nichts desto trotz „lebt“ der Granatapfel, Sinnbild der Fruchtbarkeit, seit Jahrhunderten friedlich neben Engeln, genauso wie Pelikane und Flammen wunderbar neben den Statuen von Päpsten und Heiligen stehen, in einer Vereinigung von Symbolen, die der Kirche im Laufe der Zeit großen Erfolg eingebracht haben.

Das zentrale Rosettenfenster, von Kreisen und Akanthusornamenten geschmückt, zieht unweigerlich alle Blicke auf sich  und lenkt von den weiteren Nuancen der Fassade ab, wie z. B. den Statuen von Celestino V. oder des Heiligen Benedikt und den beiden weiblichen Figuren, die den Glauben und die Barmherzigkeit darstellen.

Eine Brüstung teilt das Gesamtbild in zwei Teile und wird von Menschen und Raubtieren gestützt; Erstere, so wird angenommen, stellen türkische Gefangene dar, die von den Venezianern während der Schlacht von Lepanto festgenommen wurden, während die Tiere die christlichen Verbündeten sein sollen.

Das Innere ist viel einfacher und „nüchterner“ als die Fassade. Das Hauptschiff ist mit einer Nussbaumdecke bedeckt, während die Seitenschiffe von zwölf barocken Altären geschmückt sind.

Der Hauptaltar wird von einem Bogen eingerahmt und an seiner Spitze findet sich das Wappen der Familie Adorni, die in dieser Kirche viele ihrer Familienmitglieder begraben hat.

 

Das Ex-Kloster der Zölestiner

Der Barock-Stil der Basilika Santa Croce geht fortlaufend in das Ex-Kloster der Zölestiner über. Der Palast war über Jahrhunderte eines der wichtigsten Wissenszentren, dank der Arbeit der Mönche, die hinter diesen Mauern bedeutende Werke geschaffen haben, die heute im Museum Sigismondo Castromediano aufbewahrt werden.

Die Tätigkeit der Mönche ging ununterbrochen fort bis 1807, als alle Mönchsorden aus der Stadt verbannt wurden. Nachdem er seinen ursprünglichen Zweck verloren hatte, wurde der Palast Sitz der Einrichtungen des Landes von Otranto und daraufhin der Provinz Lecce.

Die „Piazza Sigismondo Castromediano“

Zwischen der Piazza Sant’Oronzo und der Basilika Santa Croce finden wir einen kleinen Platz, die Piazza Castromediano, ein Ort, an dem viele vorbeigehen, ohne innezuhalten und ihn sich genau anzuschauen. Dieser kleine Platz ist ein Symbol für Lecces Bedeutung und Größe während des römischen Zeitalters. Wie im Falle des römischen Amphitheaters und Theaters, wurden auch auf diesem Platz Ausgrabungen zur städtischen Sanierung vorgenommen, die wichtige Funde aus der Eisenzeit sowie eine unterirdische Ölpresse zum Vorschein brachten, die auf das 1. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht.

Die Region Salento ist reich an unterirdischen Ölpressen und –zisternen. Sie erzählen von einem Zeitalter, in dem die Produktion und der Handel mit Lampenöl die treibende Kraft der Wirtschaft waren. Die Ölmühlen wurden in das brüchige Gestein gehauen und kosteten daher wenig, außerdem waren die Temperaturen dieser unterirdischen Ölpressen ideal für die Pressung der Oliven.

Die Rosenkranzkirche bzw. Kirche des Heiligen Johannes

Das letzte Werk mit der Handschrift des Architekten Zimbalo ist die Rosenkranzkirche bzw. Kirche des Heiligen Johannes des Täufers. Kaum geht man durch das Tor „Porta Rudiae“, trifft man direkt auf ihre faszinierende barocke Fassade.

Das Gesamtbild wird von einer Balustrade in zwei Teile geteilt; im oberen Teil sehen wir Schalen, aus denen Blumen und Früchte sprießen sowie einige Statuen, die die Visionen des Propheten Ezechiel symbolisieren. Im unteren Teil findet sich das Tor, von zwei Säulen umrahmt, mit dem Dominikaner-Wappen darüber und der Statue des Heiligen Domenico von Guzman. Seitlich sind zwei Nischen mit zwei Statuen, die von Johannes dem Täufer und von Franziskus vom Predigerorden.

Besticht schon die Fassade durch ihren Barockstil, so tut es das Innere noch mehr, und lässt klar und deutlich die Absicht erkennen, den Gläubigen zu blenden und ins Staunen zu versetzen, so wie es die Vorgaben der katholischen Gegenreformation verlangten. Der Grundriss der Kirche entspricht dem griechischen Kreuz, und ist von zahlreichen Altären umgeben, außerdem stehen überall Statuen von Heiligen, in Lecceser Tuffstein gemeißelt.

Die mit Szenen der Endzeit fein ausgeprägte Kanzel ist von großer Bedeutung, und ist die einzige in Lecce, die in Stein gehauen ist. Das Projekt der Kirche sah auch eine Kuppel vor, die jedoch nie vollendet wurde, da der Architekt Giuseppe Zimbalo während der Bauarbeiten verstarb, und vor seinem Tod den Wunsch geäußert hatte, genau in dieser Kirche bestattet zu werden, wo er heute noch ruht.

Das Ex-Konservatorium Sant’Anna

Die Via Libertini ist reich an historisch bedeutenden Gebäuden, die einen zur wahren Seele des Barock leiten.

Zwischen den kleinen Restaurants und Geschäften, befinden sich in dieser Straße auch die Kunstakademie, die Rosenkranz-Kirche und das Ex-Konservatorium Sant’Anna. Letzteres wurde auf Wunsch der Edeldame Teresa Paladini erbaut, die den Mädchen des hohen Bürgertums der Stadt mit religiöser Bestimmung einen Rückzugsort bieten wollte, wo sie zu einem fast klosterähnlichen Leben geführt werden sollten. Das Konservatorium wurde im 17. Jahrhundert eingeweiht und ist ein Werk des Architekten Giuseppe Zimbalo. 1679 zieht das Konservatorium Sant‘Anna in den Palast Verardi um, wo es sich heute noch befindet. Einige Jahre später, wird der Palast auf Wunsch des Bischofs Alfonso Sozi Carafa erweitert, seine Fassade wird durch eine elegante Freitreppe verschönert, die zum Eingangstor führt, das von raffinierten Motiven umrahmt wird und die Wappen der Familien Paladini und Verardi trägt.

Nur wenige wissen, dass man von der Gasse neben der Rosenkranz-Kirche den Garten des Ex-Konservatoriums bewundern kann, in dem ein jahrhundertealter Feigenbaum steht, der mit seiner dichten Baumkrone die gesamte Fassade des Gebäudes umarmt.

Das Konservatorium Sant’Anna ist auch heute noch ein Kunst- und Kulturzentrum, das oft mit bedeutenden Ausstellungen und Veranstaltungen aufwartet.

Der Monumentalfriedhof und die Kirche “San Nicolò e Cataldo”

“Im Gedenken an normal Sterbliche”, so lautet die Inschrift auf dem Eingangsarchitrav des Monumentalfriedhofs in Lecce. Ein Tor in neoklassizistischem Stil, das zu einem langen, von Zypressen gesäumten Weg führt, sowie zu einem Ort, der zur Meditation und Stille einlädt. Durchquert man ein weiteres kleines Tor, gelangt man zum „Trauergarten“, mit einem Netz an Gässchen und Sträßchen, in denen die antiken Gräber aneinandergeschoben zu sein scheinen, was paradoxerweise einen Eindruck von Unordnung und Perfektion zugleich vermittelt.

Zwischen Oleander- und Eukalyptusbäumen finden sich Gräber in neugotischem Stil, mehrfarbige Verglasungen, sowie Fialen und Rosetten, gekonnt in den Lecceser Tuffstein gehauen. Unter den wichtigen Persönlichkeiten, die auf dem Monumentalfriedhof von Lecce ruhen, sind z. B. die Namen des Tenors Tito Schipa und des Dichters Vittorio Bodini zu finden.

Neben dem Tor, das zum Trauergarten führt, steht die Kirche San Niccolò e Cataldo: eine der schönsten und ältesten Kirchen der Stadt Lecce. Die Kirche geht auf das Jahr 1180 zurück, sie wurde auf Wunsch des Grafen Tancredi von Lecce gebaut und wurde im Nachhinein im Barockstil umgebaut. Die Fassade ist eine Mischung aus mittelalterlichem Stil, der sich im Tor und der Rosette wiederfindet, und dem Barockstil der Statuen und Verzierungen.

Das Innere ist nüchtern und edel, reich an pastellfarbenen Gemälden. Spätgotische Fresken erzählen vom Leben des San Nicola und andere Gemälde stellen Heilige dar, wie z. B. San Benedetto oder Santa Francesca Romana.

Die dargestellten Weihwasserbecken und die Statue des San Nicola sind Gabriele Riccardis Werke, der auch mit dem Bau des ersten Kreuzganges des Klosters beauftragt wurde, der sich außerhalb der Kirche befindet. Erst im Nachhinein wurde der zweite Kreuzgang errichtet, mit einem Renaissance-Brunnen in der Mitte, mit Spiralsäulen, die die Ädikula stützen.

Das angrenzende Kloster beherbergte zunächst einen Benediktinerorden und anschließend den der Olivetaner. Seit einigen Jahren ist das Gebäude Sitz der Abteilung des Kulturguts der Universität der Region Salento.

Die Kirche San Niccolò e Cataldo wurde auf Wunsch von Tancredi d’Altavilla gebaut, der während der Durchquerung des Kanals von Otranto in einen schlimmen Sturm geriet. Hilflos wandte er sich betend zum Himmel und kurz darauf gelang es ihm, am Hafen von San Cataldo anzulegen.

Die Kirche “Sant’Irene”

Die Fassade der Kirche, die der Heiligen Irene gewidmet ist, trägt die lateinische Aufschrift “Irene virgini et martiri”. Das majestätische Gebäude spiegelt die große Verehrung der Heiligen wieder, die bis 1656 Schutzpatronin der Stadt Lecce war.

Die Statue der Heiligen Irene steht an der Spitze der Fassade und knapp darunter finden wir das Stadtwappen. Das Gesamtbild der Kirche weist seitlich leere Nischen auf und ist in zwei verschiedene Kunstrichtungen geteilt.

Das Innere ist im Vergleich zum Äußeren sehr viel nüchterner und ist durch drei Kapellen pro Seite gekennzeichnet, die untereinander verbunden sind und von Tageslicht erhellt werden.

Der Hauptaltar wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachbearbeitet und im oberen Teil wurde das wertvolle Gemälde der „Überführung der Bundeslade“ angebracht, ein Meisterwerk des Künstlers Oronzo Tiso. Daneben befindet sich einer der wunderbarsten Altäre der Stadt Lecce, dem Heiligen Gaetano gewidmet, von einem Gemälde geschmückt, das den Gründer des Theatiner-Ordens darstellt.

Inmitten der Altäre und Wände der Sakristei, werden zahllose wertvolle Werke in dieser Kirche aufbewahrt.

Das Museum Sigismondo Castromediano

Sigismondo Castromediano war ein adliger Patriot, der das italienische „Risorgimento“  in vollen Zügen gelebt hat. Als Jugendlicher trat er dem „Jungen Italien“ von Giuseppe Mazzini bei, was ihm die Anschuldigung der Verschwörung gegen die Bourbon-Monarchie, seine Festnahme und die Verurteilung zum Exil einbrachte. Nach seiner Rückkehr nach Italien wurde er in das erste italienische Parlament, in die Abgeordnetenkammer, gewählt. Mit Ende der Legislaturperiode kehrte er in seine Geburtsstadt zurück und stellte sich als Stadtrat in den Dienst des Volkes. Seine letzten Lebensjahre hat er Lecce, seiner Stadt, gewidmet, der er wichtige Bände für die Stadtbibliothek überlassen hat, und gründete das Museum, das heute noch seinen Namen trägt.

Heute befindet sich das Museum Sigismondo Castromediano im ehemaligen Internat Argento, das von den Jesuitenvätern gegründet wurde. Seine Mauern behüten eine wichtige Sammlung jahrtausendealter historischer Funde: von der Vorzeit zur messapischen Zivilisation, über die römische Eroberung bis hin zum Mittelalter. In seinen Abteilungen verfügt es über eine Gemäldesammlung, die aus den Jahren 1400 – 1700 stammen, eine Bibliothek und schließlich einen Bereich, der modernen Ausstellungen gewidmet ist und bedeutenden Künstlern der Region Salento Raum für ihre Werke lässt.

Die Kunst des Pappmaché

In den Pappmaché-Werkstätten atmet man fast eine feierliche und leicht mystische Luft, was vielleicht an den vielen steifen Händen und heiligen Antlitzen liegt, die in den Werkstätten stehen. Ganz sicher aber liegt es an der Gewissheit, vor einer Kunst zu stehen, die die Geschichte dieses Gebietes ausmacht.

In Lecces Gassen sind nur noch wenige Pappmaché-Werkstätten übrig geblieben, die meisten finden sich entlang der „Via dei Templari“, mit Schaufenstern, die mit Souvenirs und kleinen Gegenständen überladen sind. Das Pappmaché war einst die Kunst des ganzen Ortes, der kreative Prozess begann beim Papier und bezog die gesamte lokale Handwerks-Arbeiterschaft mit ein: vom Bildhauer zum Maler bis hin zum Töpfer. Es war eine edle Kunst, die gegen die strenge und misstrauische Kirche kämpfen musste: diese befürchtete, es könnten Schriften und Darstellungen auf dem Papier verewigt werden, die nicht den christlichen Vorgaben entsprachen. Doch die Kunst des Pappmaché schaffte es, Vorurteile und Befangenheit zu beseitigen und öffnete dadurch nicht nur die Pforten der Gotteshäuser, sondern bereicherte sie mit Verzierungen und Schmückungen.

Für die Arbeit als Pappmaché-Meister braucht man Leidenschaft und Liebe, und es stimmt zwar, dass man einfache Materialien verwendet, doch muss man sich dafür mit umso mehr Zeit und Geduld wappnen, um diese Werke zu verwirklichen. Die Statuen entstehen aus einem Inneren aus Stroh und Eisendraht, das in eine Strumpfhose gesteckt wird, und danach mit richtigen Kleidern „angezogen“ wird. Es wird Papier von der Amalfiküste verwendet, in lauter kleinen Stückchen, um es leichter handhaben zu können, das mit einem Kleber-Gemisch aus Mehl, Wasser und Kupfersulfat zusammengehalten wird. Mithilfe dieser Mischung und eines Gipsabdruckes erstellt der Pappmaché-Handwerker das Negativ der Statue. Ist diese Basis-Struktur erst einmal geschaffen, geht man zur Drapierung über, mit einem stoffähnlichen Papier. Danach wird die Figur mit heißen Eisen modelliert und kleine Unebenheiten oder Fehler ausgefeilt. Um das Ganze zu fixieren, werden vier Schichten des Gemisches aus Wasser, Gips und Kleber aufgetragen. Wenn alles trocken ist, werden die unbearbeiteten Farben vorbereitet, die die letztendlichen Farbtöne ergeben werden. Oft werden die Hände und das Gesicht aus dieser komplexen Vorgehensweise außen vor gelassen, da sie der anatomischen, menschlichen Struktur sehr ähnlich sein müssen, und werden dadurch aus Terrakotta hergestellt, um Verformungen zu vermeiden, die das Pappmaché kennzeichnen.

Das Pappmaché ist eine Kunst schmutziger Hände, die aber bei jeder neuen Erschaffung vor Glückseligkeit zittern. Es ist eine arme Kunst, wie ihr Rohmaterial, doch unsäglich reich an Geschichte und Faszination.

Der Lecceser Barock

Lecces künstlerische Lebhaftigkeit findet ihre wahre Stellung in der Architektur und fügt sich perfekt in den so genannten „Lecceser Barock“ ein. Ein weicher und eleganter Stil, der Tore und Balkone edler Paläste verschönert, Kirchenfassaden bereichert, durch Blumen- und Fruchtmotive verziert, Schnörkel und Kränze, die sich dank des brüchigen Lecceser Tuffsteins, des sogenannten „freundlichen Steins“ leicht modellieren lassen. Der Lecceser Barock ist anders als der römische von Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini, und erfreut sich des Einflusses der spanischen „Verschnörkelung“, gekennzeichnet durch die Imitation von Silberverarbeitungen. Unter diesem Antrieb scheinen die Rosetten und Gesimse zum Leben zu erwachen, in einer Pracht christlicher Wahrzeichen. Die Symbolik des Lecceser Barock drückt sich in der Verherrlichung der Natur aus, in ewiger Dankbarkeit der Mutter Erde gegenüber, die, dem Willen Gottes entsprechend, der Erde die Früchte aus ihrem Schoß schenkt.

Zwei große Namen sind im Zusammenhang mit den Lecceser Baudenkmälern zu nennen, zum einen der Architekt Giuseppe Zimbalo und zum anderen der Bischof Luigi Pappacoda: der Hauptgeldgeber der damaligen Meisterwerke. Man darf nämlich nicht vergessen, dass der Barock aus dem Bedürfnis heraus entstanden ist, die Macht der Kirche und des Klerus zu behaupten sowie die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Geldgeber zu betonen.

Vittorio Bodini

Vittorio Bodini ist ein Name, dessen Echo heute noch in der Literatur des 20. Jahrhunderts widerhallt; ein weicher und gleichzeitig einschneidender Name, wie seine Gedichte, mit ihren zerbrechlichen Versen, ähnlich der Tabakblätter, die in der Sonne des Südens getrocknet werden, seines geliebten und gehassten Südens.

Vittorio Bodini wird am 6. Januar 1914 in Bari geboren. Nach dem Tod des Vaters, zieht er mit seiner Familie nach Lecce. Er war ein wissens- und kulturdurstiger junger Mann, dessen Durst sein Großvater, Pietro Marti, zu stillen wusste und ihm seine Berufung aufzeigte: das Schreiben.

Für Vittorio Bodini ist Lecce eine verschlossene Stadt, mit beschränkter Mentalität, die durch den Barockstil versucht, eine große Lücke zu füllen: das Fehlen einer Seele.

Er ist der Dichter des Südens, eines schwarzen Südens, aus dem er immer wieder flüchtet und doch wieder zurückkehrt, und den er wirklich zu lieben anfängt, als er in Spanien die Verse von Garcia Lorca kennenlernt. Spät, zu spät, wird er in Lecce seine Stadt wiederentdecken, doch er stirbt 1970 in Rom und hinterlässt eine große Leere zwischen den Zeilen und Versen italienischer Gedichte.

Heute ruht er auf dem Monumentalfriedhof in Lecce unter der „Last“ seiner berühmtesten Verse:

„Du kennst den Süden nicht, die kalkweißen Häuser, aus denen wir an die Sonne rauskamen, wie Zahlen auf einem Würfel.“

Es sind nur wenige Worte, die ein tiefes Unbehagen ausdrücken, das schwere Schicksal derjenigen, die zufällig im Süden geboren werden, die Ironie des Schicksals, die einen willkürlich aussucht, hier zu leben, so wie die unvorhersehbaren Zahlen beim Würfeln.

Vergebens versucht man heute noch mit Veröffentlichungen und Sammlungen seiner Schriften nach seinem Tod das schwarze Loch zu füllen, das er hinterlassen hat, doch bei dem Gedanken an ihn, blutet die Dichtkunst des 20. Jahrhunderts immer noch.

Tito Schipa

Ende des 19. Jahrhunderts wird Raffaele Attilio Amedeo Schipa in Lecce geboren, von allen besser bekannt als Tito “der Kleine”. Er ist der vierte Sohn einer bescheidenen Familie und schon im jüngsten Alter kommt sein Talent zum Vorschein, das ihn zum „Propheten seiner Heimatstadt“ machen wird.

Der Bischof Gennaro Trama überzeugt Tito  im Jahre 1902 am Priesterseminar zu studieren, um eine ganzheitliche Ausbildung zu genießen, auch im Sinne der musikalischen Komposition. Trotz seines eingeengten Umfeldes, dringt seine wahre Berufung durch, seine Leidenschaft für Frauen, die ihn oft in Schwierigkeiten bringen wird. Um ihn dieser Jugendlieben zu entreißen und ihm mehr Auftritte zu ermöglichen, überzeugt ihn sein Lehrer, nach Mailand umzuziehen. 1909 tritt Tito Schipa in Vercelli zum ersten Mal auf eine Bühne, mit der „Traviata“, doch der Erfolg kommt erst später, als er 1914 in Neapel mit „Tosca“ von Puccini auf der Bühne steht. Sein Ruhm reicht weit über die nationalen Grenzen hinaus und führt Tito nach Spanien, Südamerika und vor allem nach Amerika, wo er 15 Jahre lang als Tenor in Chicago und danach in New York arbeitet. Hier in Amerika schafft er es wieder einmal, in ein Verbrechernetz zu geraten. Er heiratet eine französische Schauspielerin, doch seine Leidenschaft für Frauen zerstört auch seine Ehe. Er verbündet sich mit den Gangstern von Al Capone und verschwendet all seine astronomisch hohen Einnahmen der erfolgreichen Jahre. Seine emotionale Bindung an Caterina Boratto bringt ihn Italien wieder näher, doch seine Unterstützung des faschistischen Regimes bedroht seine Karriere. In diesen Jahren werden ihm die englischen Bühnen verwehrt und selbst die Scala in Mailand lehnt ihn als Tenor ab. Seine Regeneration ist mühsam, doch Anfang der 40er Jahre, als er 50 Jahre alt ist, schafft es Tito Schipa wieder, alle Theater der Welt zu erobern. 1956 wird er mit der Leitung einer Musikschule in Budapest beauftragt. Doch er geht weiter und gewinnt auch die Sympathien des sowjetischen Regimes für sich, was ihm wiederum neue Anschuldigungen und Schmerzen einbringt, des Kommunismus bezichtigt und in kontroverse Angelegenheiten verwickelt, die seitens seiner Mitarbeiter geplant wurden. Somit sieht sich Tito gezwungen, wieder nach Amerika zurückzukehren, wo er mit unveränderter Zuneigung aufgenommen wird. Hier eröffnet er eine Musikschule, doch eine in den 40er Jahren verschleppte Zuckerkrankheit, führt nach 57 Jahren Karriere am 16. Dezember 1965 zu seinem Tode mit nur 77 Jahren.

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Kaffee auf Eis mit Mandelmilch

In einer Bar an der Ecke der „Via Trinchese“ entstand der Kaffee auf Eis mit Mandelmilch, eines der meist geliebten Getränke in der Region Salento. Zu Zeiten von Antonio, dem Stammvater einer Kaffeerösterei-Familie, war es die einzige Bar, die Eis besaß: es war ein großer gefrorener Eisblock, der den Lecceser Familien die Möglichkeit gab, kleine Stücke daraus rauszubrechen und damit Lebensmittel in Ledertaschen aufzubewahren. In dieser Bar, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, hat Antonio den Kaffee auf Eis erfunden, mit groben Eisstückchen, die auch beim Kontakt mit brühendem Kaffee nicht schmelzen. Erst einige Jahre später wurde diesem Kaffee die Mandelmilch hinzugefügt.

Der Kaffee auf Eis mit Mandelmilch ist ein althergebrachtes Getränk, das in Lecce seine größte Beliebtheit erreicht hat.

Der Sommer im Salento wird von dem Duft des gerösteten Kaffees angekündigt und von dem Klirren des Kaffeelöffels, der sich seinen Weg zwischen Eiswürfel und Glas bahnt. Der Kaffee auf Eis mit Mandelmilch ist der Geschmack, der die Lieblingsjahreszeit dieser Region einläutet, mit sonnigen Tagen an Strand und Meer und warmen Sommerabenden bei gemütlichen Pläuschchen vor den Hauseingängen.

Sollte also die Region Salento euer Ziel sein, bestellt in der ersten Bar den Kaffee auf Eis mit Mandelmilch: nur so kann euer Urlaub richtig starten!

Der “Rustico”

Es ist nicht schwer, sich den Duft des ersten “rustico” vorzustellen, der soeben aus dem Ofen geholt wird, vielleicht aus Spaß, vielleicht sogar aus einer Wette heraus, ganz sicher aber in einer der vielen Stadtbars, die heute noch sein „Reich“ sind.

Der „rustico“ ist das Sinnbild des „street food“ der Region Salento, unwiderstehlich und unverzichtbar für alle, die zu lange darauf verzichten mussten, wie auch für alle, die das ganze Jahr über hier leben.

Es sind nur wenige Zutaten, die den Erfolg des „rustico“ ausmachen: eine Blätterteigtasche mit einem Herz aus Béchamel-Sauce, Mozzarella, einem Hauch Tomatensauce und einer Prise schwarzen Pfeffers. Es ist kein armes Gericht, hat aber auch nichts auf der Speisekarte eines Nobelrestaurants zu suchen. Ob als kleines Mittagessen für Arbeiter, hungrige Studenten auf dem Weg zur Prüfung oder müde Angestellte, die am Abend keine Lust mehr zum Kochen haben, aber dennoch etwas Köstliches zu sich nehmen möchten. Der „rustico“ erzählt die Geschichte der Mittelklasse und ist über die Jahre hinweg unbewusst ihr Sinnbild geworden.

 

Das Lecceser “Pizzo”-Brötchen

Das wahre “Pizzo”-Brötchen findet man nur im Zentrum Lecces, es schmückt die Schaufenster der Bars und verfolgt die vorbeigehenden Touristen mit seinem Duft. Das „pizzo“ ist ein schmackhaftes, formloses Brötchen, angereichert mit Tomate, Zwiebel, Zucchini und Paprika, alles nach einem alten Hausfrauenrezept gemischt. In Wirklichkeit kann man es als eine Variante der „puccia“ ansehen: ein Teig aus Hartweizenmehl und Wasser, mit Oliven aus der Region Salento angemacht und im Holzofen gebacken. Die „puccia“ findet ihre Vollendung durch das Hinzufügen von Tomaten, Thunfisch und Rucola. Das „pizzo“-Brötchen und die „puccia“ waren die idealen Mahlzeiten für die Bauern, die früh am Morgen aus dem Haus gingen und einen ganzen, mühsamen Arbeitstag überstehen mussten.

Je nach Gebiet des Salento, gibt es unterschiedliche Namen dafür, wie z. B. Scheblasti in der „Grecìa Salentina“ oder Cazzata im südlichsten Teil des Salento. Kleine Details einer Speise, auf die kein Salentiner verzichten kann.

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