Il Borgo di Agnone

Der Glockenklang ertönt in den Straßen, breitet sich über die grünen Blätter der Wälder aus, klettert Hügel empor und springt von einem roten Dach zum anderen. In Agnone produziert die päpstliche Glockengießerei Marinelli seit über tausend Jahren Glocken, und das nach wie vor mit der gleichen Leidenschaft und Liebe. Es gibt keinen Glockenturm, der keine hätte und in Agnone gibt es zwanzig Glockentürme, die majestätisch aus dem Städtchen herausstechen, und dem geschäftigen Treiben der Gassen zuzwinkern, die mit ihren großen Steinlöwen, die plötzlich an ganz unerwarteten Ecken auftauchen, an Venedig erinnern.

Agnone ist eine einzigartige Stadt mit mittelalterlichen Werkstätten, in denen exklusive Kreationen seltener Schönheit geschaffen werden: der wahre Ausdruck der Gemeinschaft, die sie hervorbringt.

Einzigartig sind auch die zahlreichen Traditionen dieser Gemeinschaft des nördlichen Molise, vor allem in der Weihnachtszeit, wenn der Brauch der sogenannten ’Ndocciata Jahr für Jahr wiederholt wird: ein ausdrucksstarker Feuerumzug, der tausende Besucher in diese kleine Ortschaft lockt, und die Bewohner der Stadt mit Stolz erfüllt. So ist es auch kein Zufall, dass der Heilige Vater Johannes Paul II. sich in diesen Ort verliebte und – bevor er ihn verließ – sagte: “Es hat sich gelohnt, herzukommen!”

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Die Geschichte

Aus einigen morphologischen Studien ging hervor, dass eine erste Gemeinschaft in der Nähe der Kirche San Marco bestand, der heutigen Mutterkirche, die sich nach und nach bis zu dem Gebiet ausbreitete, wo heute der Baronspalast steht. Zwei Machtzentren, die den geschichtlichen Verlauf dieses Ortes beeinflusst haben.

Obgleich es keine genauen Informationen über die erste Gründung der Stadt gibt, so behauptet eine örtliche Tradition, die antike Stadt Agnone entspräche Aquilonia, einem sannitischen Ort, der von den Römern während ihrer Expansion zerstört wurde.

Die Ankunft der Langobarden in Italien stimmt mit einer Zeit des Aufblühens von Agnone überein, die jedoch schrittweise dem Verfall im Jahre 1000 entgegenging, genau in der Zeitspanne, in der auf den umliegenden Anhöhen Klöster und kleine landwirtschaftliche Gemeinschaften gegründet wurden.

Im Jahr 1139 kommt im Gebiet von Agnone die Familie Borrello an, die ursprünglich aus Pietrabbondante stammt, dem Dogen von Venedig gedient hatte und ein Gefolge von Soldaten und Handwerkern mit sich bringt. Mit diesem Ereignis wird die „offizielle“ Gründung des Ortes in Verbindung gebracht, auf dem Hügel Caraceno, dem Gebiet, wo heute das Viertel Ripa zu finden ist, das älteste Viertel der Stadt, das gewöhnlich „venezianisches Viertel“ genannt wird.

Aus historischen Quellen wissen wir, dass der Ort Angolum genannt wurde, woraus nachträglich Agnolum und bereits 1507 in Agnone umbenannt wurde, wie ein Schriftstück aus damaliger Zeit bezeugt. Während der Anjou- und nachträglich der spanischen Herrschaft, beginnt für Agnone eine Zeit des Wachstums, die bis zum Königreich der beiden Sizilien andauern soll, als die Bourbonen-Herrscher Agnone zu einer der 56 königlichen Städte erklärten, frei von den Auflagen der Feudalherrschaft, in direkter Abhängigkeit des Königs mit eigenem Gericht, das sogar Todesurteile aussprechen konnte.

Das 19. Jahrhundert stellt für Agnone eine große kulturelle Blütezeit dar: die Straßen der Ortschaft werden von Künstlern, Philosophen, Theologen und Schriftstellern bevölkert, dank derer sich Agnone auch des Namens „Athen der Sanniter“ rühmen kann. Das Ankurbeln der Industrie führt zu einer Preiskrise, die die Stadt destabilisiert und somit zahlreiche Bewohner zum Auswandern nach Amerika und Nordeuropa zwingt. Nichts desto trotz schafft es Agnone am kulturellen Aufstieg festzuhalten und in diesem Zusammenhang wird in der Stadt ein öffentliches Beleuchtungsnetz installiert, noch bevor dies in Rom geschieht. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist ein dunkles Kapitel für den Ort, der oft als Ziel ausgesucht wird, Mussolinis politische Gegner dorthin zu verbannen. 1940 wird das Kloster San Benedetto auf Bewilligung des Bischofs in ein Konzentrationslager umgebaut, in dem Hebräer, politische Gegner, aber vor allem ROM aus dem Gebiet Ex-Jugoslawiens eingesperrt werden. Die Tore des Lagers werden erst wieder am 8. September 1943 geöffnet werden.

Nach einem erneuten Wachstum in den Nachkriegsjahren, erleidet die Entwicklung Agnones ab den 50er Jahren einen weiteren Rückgang. Heute erfährt die Stadt wieder einen neuen Antrieb, dank zahlreicher Besucher, die hierher kommen um zu reiten, um die Natur zu genießen oder einfach durch die wunderschöne Ortschaft zu schlendern.

Die Kirche San Marco

Agnone ist eine kleine Stadt, jedoch reich an Kirchen, die den Wohlstand des Ortes in der Vergangenheit bezeugen. Unter all den Kultusgebäuden ist die Mutterkirche das wichtigste, und ist dem Evangelisten Markus gewidmet. Die Kirche steht auf dem höchsten Punkt der Altstadt, die seit der Antike bewohnt ist. Die örtliche Tradition spricht den Bau dieses Gebäudes der Familie Borrello zu, Dokumente, die dies bezeugen, wurden jedoch nie gefunden. Diese Kirche hat zwei verheerende Brände erlitten, den ersten im Jahr 1390 und den zweiten in der Weihnachtsnacht des Jahres 1610. Bei diesem zweiten Brand wurde die Original-Benediktiner-Kirche mit drei Kirchenschiffen vollständig zerstört, und an ihrer Stelle wurde ein Gebäude mit nur einem Kirchenschiff und einem einzigen Eingang gebaut. Das schlichte und lineare Äußere lässt nicht auf die reichen Verzierungen im Inneren schließen. Das Renaissance-Eingangstor führt in ein Inneres einer durch und durch barocken Kirche. Das Kirchenschiff ist von Halbsäulen unterbrochen, die den Raum teilen und entlang der Seitenwände befinden sich Kapellen mit wertvollen Altären, aus Holz geschnitzt und goldfarben gestrichen. Die Kirche San Marco ist reich an wertvollen Gemälden und Statuen, die alle aus Holz hergestellt sind, bis auf eine Ausnahme, nämlich die, die San Cristanziano darstellt: diese besteht aus Papiermaché mit hölzernem Inneren. Von besonderer Bedeutung ist die Orgel, da sie die erste Orgel der Region Molise war und von örtlichen Meistern gefertigt wurde sowie die Monstranz, die auf das 15. Jahrhundert zurückgeht und ein Werk des Goldschmiedes Giovanni Rizio ist. Die Nachbildung der hölzernen Decke ist einem Pfarrer aus 1900 zu verdanken, die mit wertvollen Gemälden verziert ist; das Original wurde durch die Brände zerstört, doch die aktuelle Version verleiht der Schönheit der Kirche sicherlich das gewisse Etwas.

Die Kirche Sant’Emidio (der Heilige Emigdius) und die Bibliothek “Emidiana”

Im Mittelalter war es üblich, Kultstätten zu bauen, um die Versprechen einzuhalten, die den Heiligen oder der Madonna während eines Gelübdes gemacht wurden. So auch im Falle der Kirche Sant’Emidio, die im 15. Jahrhundert gebaut wurde. Der Kult um den Heiligen Emigdius verbreitete sich in Agnone im 13. Jahrhundert, nach einigen Erdbeben, die die Stadt zerstört hatten und die Bevölkerung ihre Häuser neu aufbauen musste. Die müden Gläubigen hatten sich dem Heiligen Emigdius verschrieben, der als Beschützer vor Erdbeben bekannt war. Die Kirche Sant’Emidio ist eine mittelalterliche Kirche, die Fassade lässt jedoch gotische Elemente erkennen, vor allem im Eingangstor. Diese Verzierungen wurden Agnone von einer Gruppe von Kaufleuten aus Ascoli geschenkt, die in der Stadt den Textilhandel betrieben. Das Innere der Kirche ist reich an wertvollen Werken, wie z. B. das Kreuz, das im 16. Jahrhundert gefertigt wurde und durch die beeindruckende Perfektion des Körpers besticht. Aus dem 17. Jahrhundert hingegen stammen die hölzernen Statuen, die hinter dem Hauptaltar stehen und das berühmteste Werk in dieser Kirche darstellen. Dieses Kunstensemble in Menschengröße zeigt das Abendmahl, mit allen Jüngern und Jesus Christus. Von besonderem Wert ist auch ein Altar, der der Heiligen Familie gewidmet ist, einzigartig deswegen, da das zentrale Gemälde nicht die Geburt Christi zeigt, sondern seine Beschneidung, die hervorgehoben wird, da sie das von Jesus erste für den Menschen vergossene Blut darstellt. Eine weitere, bedeutende Arbeit in dieser Kirche ist der Gekreuzigte Christus, von Giulio Monteverde angefertigt.

Neben der Kirche befindet sich die Bibliothek “Emidiana”, die auf der Welt einzigartige Werke hütet. Die ältesten Bezeugungen sind Pergament-Schriftrollen aus dem 14. Jahrhundert, außerdem sind Bände aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert vorhanden sowie ein kostbares Dokument, das der Heilige Bernardino von Siena verwendet hat.

Die Kirche San Francesco

Die Kirche San Francesco gilt als die schönste der Stadt Agnone, ihr Bau geht auf das Jahr 1343 zurück, 1732 wurde sie jedoch größtenteils umgebaut. Viele Spuren der ursprünglichen Konstruktion finden sich noch in der Fassade, die aus quadratischen, kompakten Kalksteinblöcken errichtet wurde. Den Eingang bildet eine bogenförmige Tür, mit geometrischen und floralen Verzierungen, und darüber sticht eine zentrale Fenster-Rosette hervor, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach restauriert und verändert wurde. Das Innere der Kirche setzt sich durch den Barockstil ab, der hie und da von Renaissance-Merkmalen durchzogen wird. Entlang der Seitenwände befinden sich elf Kapellen, mit genau so vielen Altären, die von Blumen- und Obstgirlanden geschmückt sind. Von besonderem Wert sind einige Gemälde, die sich in der Kirche befinden und von einem bekannten Künstler der Region Molise gefertigt wurden, Pietro Gamba. Besonders bedeutend ist ein Tafelbild aus dem 16. Jahrhundert, das die aufgefahrene Maria darstellt. Von den Altären muss einer besonders hervorgehoben werden, nämlich der, der San Crescenzio gewidmet ist, wegen seiner zahlreichen, extravaganten Verzierungen.

Das Ex-Kloster San Francesco und die Stadtbibliothek

Die Kirche San Francesco wurde von Franziskaner-Mönchen gebaut, die im nahegelegenen Kloster wohnten. Das Kloster weist keinerlei Verzierungen auf, der Glaubenslehre der Franziskaner entsprechend, bis auf den Kreuzgang, der in seiner eleganten Schlichtheit besonders schön ist. Entlang der Wände können einige Fresken bewundert werden, die an verschiedene Episoden aus dem Leben des Heiligen Franziskus erinnern. Seit einigen Jahren ist dieses Kloster Sitz der Stadtbibliothek, die für lange Zeit ein außerordentliches Buch-Vermächtnis gehütet hat, mit seltenen Werken aus ganz Europa, aus dem Zeitraum von 1512 bis 1830, die dank verschiedener Spenden nach Agnone gelangt waren. Um diesen Schatz des Klosters allen näher zu bringen, wurde im Jahr 2003 die Ausstellung des antiken Buches ins Leben gerufen, was im ersten Jahr direkt zu 5000 Eintritten führte, und somit ab dem Jahr 2004 zur Dauerausstellung wurde. Unter den zahlreichen Bänden, die bewundert werden können, gibt es eine ganz bedeutende Ausgabe, nämlich eine Kopie des gesamten Platon-Werkes.

Das Glockenmuseum “Johannes Paul II.”

“De Tintinnabulis”: solltet ihr diesen Begriff kennen, gehört ihr wohl zu den Handwerksmeistern, die die Glockenkunst beherrschen. Die Meisten jedoch werden nicht wissen, worauf sich dieser lateinische Name bezieht. Es ist der heilige Text der Glockenkunst, ein antikes Handschriftstück, das die besten Techniken der Glockenherstellung erklärt. Dieser seltene Band wird im Glockenmuseum “Johannes Paul II.” aufbewahrt, das der Familie Marinelli gehört. Diese historische Familie aus Agnone stellt seit dem Mittelalter Glocken her und 1999 hat sie dieses Museum eröffnet, das anhand der ausgestellten Werke, die Geschichte der Glockenkunst erzählt. Die Räume des Museums sind sorgsame Hüter der größten Bronzegegenstand-Sammlung der Welt und unter den zahlreichen, ausgestellten Glocken befindet sich auch “die Glocke des Jahres tausend”, die wichtigste von allen. Entlang der Museumswände erzählt ein umfangreiches Fotoarchiv die größten Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts und einige Bezeugungen berichten von der Geschichte der Familie Marinelli und ihrer engen Bindung zum Papstthron. Im Museum finden oft Kongresse und bedeutende Veranstaltungen aus dem Bereich der Glockenkunst statt, und auch seine Bibliothek sowie Videothek werden gut besucht, die von der Geschichte und Tradition der Glocken in der ganzen Welt erzählen.

Die oskische Tafel

Die Osker waren ein altitalisches Volk, das in Süditalien lebte, und nachträglich Teil der Samniter wurde. Sprachlich gesehen waren sie von großer Bedeutung, da sie die oskische Sprache sprachen, eine indogermanische Sprache, die auch die Samniter beherrschten.

Vor ca. einem Jahrhundert wurde in der Nähe von Agnone eine kleine Tafel mit Griff gefunden, mit einer noch klar erkennbaren Inschrift in oskischer Sprache. Die Tafel geht auf das Jahr 250 v. Chr. zurück und zählt zu den drei wichtigsten Bezeugungen des oskischen Volkes. Das Original wird heute im British Museum in London aufbewahrt und eine Kopie befindet sich im Rathaus von Agnone.

Die Tafel ist beidseitig graviert, wobei auf der einen Seite wesentliche Regeln zur Kultstätte zu finden sind, wo Versöhnungsrituale stattfanden. Auf der anderen Seite wurden alle Gegenstände aus dem Besitz der Kultstätte aufgezählt sowie die Personen, die berechtigt waren, die Kultstätte zu besuchen und zu führen. Die Tafel wurde auf dem Berg Cerro gefunden, in einer Ortschaft, die allen unter dem Namen “Orto” bekannt ist. Aus den gefundenen Schriften ging hervor, dass die Kultstätte aus 15 Altären bestand, bei denen an jeweils bestimmten Tagen des Jahres heilige Riten durchgeführt wurden. Alle zwei Jahre wurde ein Feuer angezündet, das für die folgenden zwei Jahre brennen musste; während dieser Zeremonie wurden vor dem Opferaltar Opfer dargebracht. Einige Feierlichkeiten fanden außerhalb der Kultstätte statt, besonders die, die Flora gewidmet waren und einige weitere Prozessionen.

Auf der Tafel findet sich auch eine Aufzählung von 17 Gottheiten, alle eng mit der Erde verbunden, und dies bestätigt, dass die Osker polytheistisch waren. Die wichtigste Gottheit der Kultstätte war Kerres, die anderen Gottheiten waren damit beauftragt, ihr beim Schutz der Ernte behilflich zu sein. In diesem Zusammenhang ist es also kein Zufall, dass die Tafel auf dem Berg Cerro gefunden wurde, ein Name, der von Kerres abstammt, und auch die Tatsache, dass die Tafel aus Bronze angefertigt wurde, ist kein Zufall, denn dieses Material war heilig und wurde für die Rituale zu Ehren der Göttin verwendet.

Die Familie Marinelli und die Glockenkunst in Agnone

Die Familie Marinelli stellt in ihrer Gießerei seit dem Jahr tausend Glocken her, auf antiken Techniken basierend und mit Werkzeug, die auf das Mittelalter zurückgehen.

Die Glocken, die in dieser Gießerei entstehen, werden wie Lebewesen behandelt, die Entstehung gliedert sich in unterschiedliche Phasen: als erstes wird die “Seele” gebaut, mit einem Inneren aus Stein, der nachträglich mit glattem Lehm bestrichen wird. Im nächsten Schritt entsteht die “falsche Glocke”, mit allen Verzierungen, und danach der Mantel. Nachdem die ersten Phasen beendet sind, werden die drei Elemente getrennt und zwischen Mantel und Seele wird flüssige Bronze gegossen. Dieser wichtigste Schritt in der Herstellung wird betend durchgeführt, wie ein antikes Ritual. Die Glockenkunst ist für die Familie Marinelli von höchster Bedeutung, da die Glocke die Stimme Gottes darstellt, die uns Menschen zur Einheit mit ihm aufruft. Die Gießerei Marinelli ist die einzige auf der Welt, die sich des Papstwappens rühmen kann, was sie Pasquale Marinelli verdankt, der 1924 in Pompei Papst Pius XII um die Ehre bat, das Wappen zu erhalten. Die Verbundenheit zwischen der Familie Marinelli und dem Pontifikat ist historisch: es gab zahlreiche Begegnungen mit verschiedenen Päpsten, darunter z. B. auch Johannes XXIII und Johannes Paul II, zu dem die Familie heute noch eine enge Bindung spürt. Dieser besuchte 1995 die Gießerei, nahm an einem Guss teil und versammelte dann alle im Gebet. Und eben diesem Heiligen Vater, Johannes Paul II, wurde das Glockenmuseum gewidmet, das 1999 ins Leben gerufen wurde. Unter den vielen hergestellten Glocken, kann sich die Gießerei der Herstellung der Jubeljahr-Glocke rühmen, die sich heute auf dem Petrusplatz befindet und ca. 5 Tonnen wiegt, und außerdem auch die Glocke der San Cassino Abtei sowie die der Kathedrale von Pompei. Die Familie Marinelli ist seit Jahrhunderten Agnones und ganz Italiens Stolz.

Die “‘ndocciata”

Die “’ndocciata” stellt die wichtigste Tradition in Agnone dar und lockt jedes Jahr tausende Besucher in die Stadt. Die ‘ndoccie sind 4m lange Tannen”stämme”, die auf der Höhe von 1m mit Eisendraht gebunden werden. Ganz oben sind Ginsterbüschel befestigt, die beim Anzünden ganz besonders knistern. Am 24. Dezember findet bei Sonnenuntergang, nach dem Ertönen der Glocken, der “ndocciata” Umzug statt. Die brennenden ‘ndoccie werden von den Bauern der fünf Viertel Agnones auf den Schultern durch die Straßen getragen. Dieser besondere Umzug wurde 1996 sogar durch Roms Straßen getragen, bis zum Petrusplatz, wo Papst Johannes Paul II. das Spektakel verfolgte.

Rezepte

Die typische Küche Agnones ist reich und vielseitig und besteht aus einfachen Zutaten. Zu den wichtigsten örtlichen Lebensmitteln gehören mit Sicherheit der Käse, die Wurstwaren und das selbst angebaute Gemüse.

Suppe “alla Santè”

Es wird erzählt, dass eines Tages eine Königin nach Agnone kam, die von der Bevölkerung gebührend empfangen wurde. Die Stunde des Mittagessens kam näher, und der Koch machte sich große Sorgen, da er dachte, er hätte nichts “Passendes” für die Königin. So entschied er, ein einziges Gericht aus den wenigen Zutaten, die er hatte, zuzubereiten, und so wurde die Suppe “alla Santé” geboren. Diese Suppe ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Veranstaltungen in Agnone und fehlt nie an Weihnachten und Ostern.

Dies sind die Zutaten für sechs Personen:

  • 600 gr getrocknetes Brot;
  • 5 Eier;
  • 300 gr Schweinehackfleisch;
  • Schafskäse n. B.;
  • Hühnerbrühe;
  • 300 gr süditalienischer Hartkäse;
  • Kleine Leberchen;
  • Einen EL Olivenöl;
  • Brotkrumen n. B.

Drei Eier in eine Schüssel geben und das Brot in Scheiben toasten. Danach das Brot mit den Eiern bepinseln und in kleine Würfel schneiden. Danach kleine Fleischklößchen formen, aus Fleisch, restlichen Eiern, Brotkrumen und geriebenem Käse und in der Hühnerbrühe kochen. Den Käse und die Leberchen würfeln, letztere danach anbraten. Alle Zutaten miteinander in eine Suppenschüssel geben. Nach Belieben kann das Gericht mit geriebenem Käse serviert werden.

“Sagne a Tacconi”

Das Rezept der “sagne a tacconi” hat uns Rosa aus Agnone erzählt, die dieses Gericht oft für ihre Kinder zubereitet, die jedes Mal aus dem Häuschen sind, sobald sie nur dessen Duft riechen.

Die “sagne a tacconi” oder auch “taccunelle” genannt, heißen so, weil sie aufgrund ihrer Form an die antike Pflasterung Agnones erinnern. Es ist ein Gericht armer Tradition, das seit jeher auf die Tische dieser Ortschaft gehört. Zunächst wird ein Teig hergestellt, aus Mehl, Eiern und Wasser und wird dann ausgerollt, um unregelmäßige “Rauten” daraus zu schneiden. Man lässt die kleinen Teile trocknen und legt sie dann übereinander. Wenn das Wasser kocht, wirft man diese Rauten hinein… aber, wichtig, eine nach der anderen, sonst kleben sie aneinander. Nach nur wenigen Minuten Kochzeit, sind sie verzehrfertig und können mit einer Sauce serviert werden, ob Tomaten- oder auch Fischsauce, am besten jedoch mit Lammsauce. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen!

Agnones Oblaten

Die Oblaten von Agnone sind eine typische weihnachtliche Süßspeise, die Teil der kulinarischen Tradition der Region Molise geworden ist. Das antike Rezept wurde von den Klarissinnen erfunden, den Nonnen, die in einem Kloster in der Nähe von Agnone lebten. In der Vergangenheit war die Zubereitung dieser Süßspeise recht kompliziert, zum einen, da es schwierig war, alle Zutaten zu bekommen und zum anderen, da man für die Zubereitung der Oblaten ein bestimmtes “Werkzeug” benötigte, das vom Schmied hergestellt wurde. Daher begann die ganze Familie mit der Zubereitung bereits am 20. Dezember. Heute ist es wesentlich einfacher:

Die Oblaten werden wie folgt zubereitet:

  • 750 ml Wasser;
  • 500 gr Mehl;
  • Ein EL Olivenöl;
  • Eine Prise Salz.

Für die Füllung benötigt man:

  • 500 gr Zucker;
  • 50 gr Kakao;
  • 250 gr feingemahlene Bitterschokolade;
  • 500 gr Honig;
  • 1 kg gemahlene Nüsse;
  • I kg geschälte, geröstete und gemahlene Mandeln;
  • Orangenschale in Stückchen;
  • Eine Handvoll Gewürznelken und Zimt;
  • Ein Gläschen Likör

Diese Zutaten reichen für ca. 100 Oblaten. Als Erstes wird das Oblateneisen gefettet und dann erhitzt. Sobald es bereit ist, wird der Teig eingefüllt und die Ausstechform von beiden Seiten geschlossen. Nach einigen Sekunden sind die Oblaten fertig. Vorsichtig, bei den Rändern beginnend, muss man sie herausnehmen, um sie auf ein Tablett zu legen und mit einem Buch zu beschweren, um das Verformen während des Abkühlens zu verhindern.

Für die Füllung wird zunächst der Honig mit dem Zucker in einer Pfanne erwärmt, danach gibt man die Bitterschokolade und den Kakao hinzu, und nach und nach alle weiteren Zutaten. Das Endergebnis ist eine dickflüssige Masse, die am besten warm auf den Oblaten verteilt wird. Nachdem alle Oblaten “befüllt” sind, lässt man sie an einem trockenen Ort ruhen. Der einzigartige Geschmack und der Nelken-Zimt-Duft sind die richtige Visitenkarte für ein köstliches Weihnachten.

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