Il Borgo di Ferrandina

Die kleinen weißen Häuser von Ferrandina scheinen sich schützen zu wollen, so eng stehen sie zusammen. Sie sind schlicht und weiß, mit einem erdfarbenen Dach, und man würde niemals vermuten, dass sie einen schwer zu zähmenden Geist verstecken.

Dieses lukanische Dorf beherrscht von seinem Hügel das Tal und den Fluss Basimento. Die Landschaft ist eine zarte grüne Schraffur, woraus das dunkle und kraftvolle Grün der Olivenbäume hervorsticht, die die Straßen säumen.

Ferrandina hat eine rebellische und neugierige Seele, sie gibt sich nicht der Ungerechtigkeit hin, sondern weiß, wo siein ihren Gassen und Sträßchen die Kraft finden kann, umnach vorne zu schauen.Die Kuppel der Kirche San Domenico beobachtet die Stadt von oben, nicht weit vom Turm des Klosters Santa Chiara entfernt. Sie hat immer noch den rauen Charakter derer, die verteidigen wollen, auch wenn keine Bedrohung mehr vorliegt.

Ferrandina lebt zwischen Geschichte und Legende, zwischen Uggiano, der kostbaren Kleidung eines Kaufmanns und den Ruinen eines Schlosses, das Teil des wahren Wesens dieses Ortes ist. Es ist ein rustikales Dorf wie seine gebackenen Oliven, aber vor allem ist es authentisch und echt, wie es nur Träumer sein können.

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Die Geschichte

Ferrandina hat antike Ursprünge, die privilegierte Lage hat seit der Eisenzeit menschliche Niederlassungen begünstigt, wie die antiken Funde unter der Stadt belegen.

Tausend Jahre vor Christus wurde dieser Ort von einer Gruppe von Männern aus der „Magna Graecia“ bewohnt, die dem Dorf den Namen„Troilia“ gaben, zu Ehren von Troja, einer Stadt in Kleinasien, die nach dem legendären Krieg zerstört wurde. Unweit von Troilia entstand ein weiteres Dorf, das um die Burg von Obelanum herum gebaut wurde und heute als Uggiano bekannt ist.

Beide Ortschaften konnten sich der treibenden Kraft der hellenischen Kultur erfreuen, und während der byzantinischen Zeit gelang es ihnen, beträchtlich zu wachsen und eine gewisse Bedeutung in der Region zu erlangen. Als sich die Herrschaft der östlichen Völker abschwächte, kamen die Langobarden und dann die Normannen in den Süden.

Der erste Teil der Geschichte von Ferrandina wurde dank der Funde und der im bewohnten Zentrum wiedergefundenen historischen Zeugnisse rekonstruiert, aber die ersten schriftlichen Informationen über diesen Ort stammen aus dem Jahr 1029.

Während des fünfzehnten Jahrhunderts zerstörte ein heftiges Erdbeben die Dörfer der Gegend und erst mit der Ankunft Friedrichs von Aragon wurde ein neuer Ort gegründet, auch dank der Flüchtlinge, die von Uggiano in die nahe gelegene Stadt zogen. Das neue Dorf hieß Ferrandina, wahrscheinlich zu Ehren von Ferrandino, Sohn von König Ferrante I. und Bruder von Friedrich von Aragon, der sehr jung starb.

Friedrich von Aragon baute ein Verteidigungssystem aus Mauern und Wachtürmen, errichtete eine Burg und legte den Grundstein für den Bau der Mutterkirche, die der Heiligen Maria unter dem Kreuz gewidmet wurde.

Das 16. Jahrhundert brachte Ferrandina das Wirtschaftswachstum, angeregt durch die Land- und Weidewirtschaft sowie durch die ständig wachsende Nachfrage nachFerlandina, einem kostbaren Stoff, den die Frauen der Stadt am Webstuhl herstellten.Es waren vor allem die Dominikaner, die gehäuft Ferlandina kauften, da sie beschlossen hatten, sich in Ferrandina niederzulassen, und somit die Entwicklung eines gut organisierten Ortes und den Bau einer Kuppel begünstigten, die dem Heiligen Dominikus gewidmet wurde.

Der Beginn des modernen Zeitalters markiert für Ferrandina den Start einer langen Periode sozialer Kämpfe. Während des Risorgimento nahm die Stadt liberale Positionen ein, beteiligte sich aktiv an den Aufständen von 1821 und 1860 und war nach der Vereinigung Italiens Schauplatz von Zusammenstößen zwischen Briganten und der piemontesischen Armee; tatsächlich gelang es dem berüchtigten Briganten Carmine Crocco, in dieser Stadt eine ganze Kompanie der savoyischen Armee zu besiegen.

Das Aufkommen des Faschismus war für diese lukanische Stadt eine der dunkelsten Perioden ihrer Geschichte. Ferrandina hat die Arbeit Mussolinis und seines Regimes nie gebilligt und dafür die Gewalt der Truppen erdulden müssen, die zur Ermordung des Bürgermeisters Nicola Montefinese geführt haben.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1943, rebellierte das Volk von Ferrandina wieder gegen den Faschismus, und der Protest wurde nach dem 2. August 1945 noch bitterer und hitziger, als das Volk auf den Weggang der faschistischen Großgrundbesitzer und die Landrückgabe bestand. Die Angst, dass dieser aufständische Geist auch in den Nachbarstädten fruchtbaren Boden finden könnte, führte zur Isolierung Ferrandinas, der Ort blieb tagelang ohne Strom und ohne Telefonverbindung.

Die Situation begann sich langsam zu normalisieren, als die provisorische antifaschistische Regierung Sicherheitskräfte ins Dorf schickte, gefolgt vom Besuch des damaligen Ministers Scelba.

Im Jahr 2003 erregte ein neuer Skandal die Einwohner von Ferrandina, die nicht zögern, auf die Straße zu gehen, um sich dem Protest gegen den Bau einer Sammelstelle für Gift- und Atommüll in der nahe gelegenen Stadt ScanzanoJonico anzuschließen.

Die Kirche“Santa Maria della Croce”

1491 legte Friedrich von Aragon den Grundstein für den Bau der Mutterkirche von Ferrandina, das ist alles, was über den Bau dieser Kultstätte bekannt ist, der Rest geht im Laufe der Geschichte verloren.

Die Kirche steht wahrscheinlich an derselben Stelle, an der sich ein anderer heiliger Ort befand. Einige Wissenschaftler vermuten, es handele sich um die alte Mutterkirche von Obelanum, die dem Kult des Heiligen Laurentius gewidmet war.

Die Fassade der Kirche ist fast ohne Dekorationen, nur die drei Rosettenfenster und die drei Portale ragen heraus; neben dem zentralen Portal stehen zwei Säulen.

Das Innere der Kirche stammt aus dem achtzehnten Jahrhundert, erinnert aber auch an den typischen Barockstil.

Die beiden seitlichen Säulengänge trennen das Innere in drei Kirchenschiffe; das Gebälk des Mittelschiffs trägt Gewölbebögen.

Die Unterteilungen der Decke bilden jeweils elliptische Kuppeln, auf denen sich das gleiche Motiv der zentralen Kuppel befindet, wodurch die Wirkung einer zarten Stickerei in Pastelltönen erzielt wird.

Der Hauptaltar ist ein Intarsien-Meisterwerk, aus mehrfarbigem Marmor gefertigt, der ein Licht- und Farbspiel erzeugt.

Versteckt vor den Augen der Neugierigen und Gläubigen befindet sich hinter der Apsis ein handgeschnitztes Holzchorgestühl, eine Pfeifenorgel und zwei ebenfalls hölzerne Statuen, die Friedrich von Aragon und seine Frau Isabella del Balzo darstellen.

Die Mutterkirche von Ferrandina birgt zwei wahre Schätze, nicht nur für den christlichen Kult. Ein Goldschrein, der das älteste Siegel der Goldschmiedekunst von Neapel aus dem 15. Jahrhundert trägt, bewahrt wachsam die Reliquie des Holzes des Heiligen Kreuzes Christi, dem die Kirche gewidmet ist. InFerrandina werden alljährlich am 14. September die Feierlichkeiten zu Ehren dieser Reliquie gefeiert.

 Das Kloster „Santa Chiara“ und das Museum des Landlebens und des alten Handwerks

Ein quadratischer und „rauer“ Turm überragt Ferrandina, und obwohl die Stadt nicht mehr geschützt werden muss und nicht mehr bedroht wird, bleibt dieses letzte Verteidigungsbollwerk weiter bestehen.

Im Laufe der Zeit wurde dieser Turm zum Symbol des Klosters Santa Chiara.

Das Kloster befindet sich an der Stelle, an der einst eine Festung errichtet wurde. Vielleicht hat es deshalb über Jahrhunderte hinweg ein schlichtes und einfaches Aussehen bewahrt.

Die Arbeiten begannen 1610 in Anwesenheit aller lukanischen Geistlichen mit großer Begeisterung. Die Errichtung eines Klosters war von den Adelsfamilien der Gegend nachdrücklich gewünscht worden, um einen Ort zu haben, dem sie ihre Töchter anvertrauen konnten, die das klösterliche Leben gewählt hatten.

Das Kloster enthält keine Werke von besonderem Wert, aber eine Ausnahme ist eine Kreuzigung, ein Werk von Pietro Antonio Ferro und ein Gemälde, das die Unbefleckte Empfängnis darstellt und Francesco Solimena (1730) zugeschrieben wurde.

Mit dem Erlass der napoleonischen Verordnungen verlor auch das Kloster Santa Chiara seine religiöse Funktion und wandelte sich im Laufe der Zeit zu einer kulturellen Stätte für Ausstellungen und Veranstaltungen.

Seit 2015 haben die Säle des Klosters Santa Chiara ihre Pfortendem Museum für Landleben und antikes Handwerk geöffnet.

Das Museum wurde 2009 mit einer Dauerausstellung im Gebäude der Familie Trifogli-Saggese gegründet. Die Errichtung dieses Ortes wurde von der gesamten Gemeinde Ferrandina nachdrücklich befürwortet, die eine von einem einfachen und rustikalen Leben geprägte Vergangenheit nacherleben wollte. Ein Stück Geschichte, das den jüngeren Generationen Anlass zur Besinnung geben könnte.

Die große Besucherzahl und die kontinuierlichen Spenden von Privatpersonen an das Museum machten nach und nach den Umzug an einen größeren Ort erforderlich, an dem auch Workshops und Seminare stattfinden konnten.

Das Museum ist in drei Bereiche unterteilt. Im ersten Teil finden wir kleine Ecken eines Friseursalons und eines Schuhmachers, eine Schmiedewerkstatt, eine Tischlerwerkstatt und einen imposanten Webstuhl, mit dem die Frauen den Stoff Ferlandina webten.

Der zweite Teil befasst sich mit der Rekonstruktion des Lebens auf den Feldern, dank der Verwendung eines rudimentären Pfluges und alltäglicher Arbeitsgegenstände. Der letzte und innerste Teil ist der Keller, ein kühler Ort, also bestens zur Aufbewahrung von Lebensmitteln geeignet. Die „Figuli“, Meister der Keramik und der Terrakotta von Ferrandina, haben eine große Sammlung von Gegenständen zur Verfügung gestellt, hauptsächlich Krüge und Vasen sowie eine Truhe für die Aufbewahrung von Getreide und Hülsenfrüchten.

In dem immensen historischen Erbe, das von diesem Museum behütet wird, befindet sich eine einzigartige und schwer zu findende Darstellung der „Madonna degliUlivi“ (die Madonna der Oliven), die nur in Ferrandina verehrt wird.

Das Museum des Landlebens und alten Handwerks befindet sich noch in der Entwicklung, und verdankt alles dem wertvollen Beitrag der Bürger, die neugierige und aufmerksame Bewahrer der Tradition sind.

Uggiano, das Schloss und was heute noch übrig ist

Nurwenige Kilometer von Ferrandina entfernt, ziehen einige Ruinen die Neugier vieler an. Einigen Wissenschaftlern zufolge, wären es die Überreste des antiken Dorfes Obelanum,Uggiano. Anderen zufolge würde Uggiano der tatsächlichen Stadt Ferrandina entsprechen. Diese Angelegenheit ist immer noch umstritten.

Auf einem Hügel über dem Tal kann man die Überreste der Kirchen San Lorenzo, San Domenico und der Allerheiligen-Abtei bewundern. Von der Burg, um die sich der bewohnte Ort befand, sind einige repräsentative Räume erhalten geblieben, die Überreste eines Innenhofs, Brunnen und ein imposanter Spitzbogen. Ein Stück den Hang hinunter sieht man den “Plinaccio di Uggiano", einen alten Brunnen, und unweit davon die Überreste eines Turms, wahrscheinlich das letzte Element der Burg, und dieser Turm soll nach historischen Quellen im Jahr 1848 von einem starken Regen zerstört worden sein.

Über Uggiano ist nur sehr wenig bekannt, wahrscheinlich hat dieser Ort sehr antike Ursprünge, aber die ersten Zeugnisse, die uns überliefert wurden, stammen aus dem 12. Jahrhundert. Die Fehde ging in den Besitz vieler Adelsfamilien über und schließlich verlor sie auch Ferdinand von Aragon, nach einer Verschwörung der Barone. Ein heftiges Erdbeben war die Ursache für die Zerstörung von Uggiano und dessen Entvölkerung, die Überlebenden suchten Zuflucht in den Gassen von Ferrandina, dem kurz vorher von Friedrich von Aragon gegründeten Ort.

 Die Kirche der “Madonna dei Mali” (Madonna des Leidens)

Die Kirche der Madonna dei Mali ist eine jener kleinen und besonderen Kultstätten, die im Namen einer authentischen Spiritualität, die nach Weihrauch und Tradition „schmeckt“, gegen die Stürme derZeit kämpft. Die Natur scheint eine tiefe Bindung zu dieser kleinen Kirche aufgebaut zu haben, in einer Vereinigung, auf die beide heute nicht mehr verzichten könnten.

Dieser Ort mitten in der grünen Landschaft um Matera herum, ist weit entfernt von der Pracht der Stadtkirchen und zeichnet sich durch wesentliche Linien ab, in der die einzige Besonderheit der Glockenturm ist, der hinter der Fassade emporragt.

Das Portal stammt aus dem Jahr 1616, darüber kann man eine Statue der Madonna mit Kind bewundern. An den Innenwänden sind Fresken des lukanischen Künstlers Pietro Antonio Ferro zu sehen, und auch die Decke wurde vollständig mit einer Darstellung der Madonna mit Kind und Heiligen bemalt. Der Hauptaltar ist mit einem Gemälde der Madonna des Leidens verziert.

Die Geschichte des Schlosses von Uggiano

Es war einmal.

So beginnen klassische Märchen, auch wenn dies kein Märchen ist, das wir gleich erzählen werden, vielleicht nicht einmal eine Geschichte oder eine wahre Legende. Was wir erzählen wollen, bewegt sich zwischen Wahrheit und Fiktion.

Es war einmal ein Dorf und ein Herr, ein sogenannter Riccardo da Camarda, der ein Schloss besaß, mit Namen Ferrazzano oder Ferracciano. Der Mann wurde von niemandem geschätzt, weil er eine endlose Reihe von Steuern auferlegt hatte, die sein Volk arm machten, und das nur, um seinem Hofe Prunk und Luxus zu garantieren.

Eines Tages kam ein Kaufmann vorbei, bemerkte das wunderschöne Schloss und den gepflegten Garten und beschloss, anzuhalten, um den Hofleuten die schönen Kleider zu zeigen, die er verkaufte. Der Herr war von den kostbaren Stoffen und den schönen Stickereien verzaubert und entschied, sie zu kaufen, aber als der Kaufmann den Preis nannte, war der Herr so fassungslos, dass er ihn empört verjagte.

Der Kaufmann schenkte daraufhin seine Waren den Bewohnern des Dorfes.Kaum hatten diese die Kleider angezogen, erstrahlten sie in ungewöhnlicher Schönheit, und die Bewohner von Uggiano wetteiferten, die Einwohner der Nachbarstadt zu heiraten. Dadurch wuchs die Bevölkerung von Ferrazzanound wurde so stark, dass sie den Souverän stürzen und seine Burg zerstören konnte.

Einige erzählen, der Kaufmann dieser Geschichte sei tatsächlich Ferdinand von Aragon gewesen, aber die Daten der Geschehnisse stimmen nicht mit den historischen Tatsachen überein.

Eine Version, die keinen Raum für Fantasie lässt, sondern die Tür zur Realität öffnet, berichtet, dass den Bewohnern von Uggianoein schreckliches Unglück, wahrscheinlich ein Erdbeben, bevorstand, und somitwären sie aus dem Dorf geflohen und nach Ferrandina gezogen.

Maria Barbella und die Macht der Frauen

Maria Barbella war siebzehn Jahre alt, als sie mit ihrer Familie Ferrandinaverließ, um nach New York auszuwandern. Es istgegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts; die Unruhen wegen der Einheit Italiens hatten den italienischen Süden in eine dunkle Zeit gestürzt, die durch den Mangel an Arbeitsplätzen noch weiter verschlimmert wurde. Aus diesem Grund hatten viele beschlossen, die lange Reise nach Amerika auf sich zu nehmen und sich in „Little Italy“ niederzulassen. Und genau das tat auch Mary und ihre Familie. Kaum in New York angekommen, fand die junge Frau sofort Arbeit in einer Mantelfabrik und auf ihrem Weg zur Arbeit ging sie jeden Tag an dem Laden eines Schuhputzers vorbei, dessen Name Domenico Cataldo war. Jedes Mal, wenn das Mädchen vorbeikam, versuchte der junge Mann, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber Maria wurde wie eine Frau des Südens erzogen, also wollte sie ihre Ehre und die ihrer Familie aufrecht erhalten, und so nickte sie nur mit dem Kopf und ging ihres Weges.

Eines Abends entschloss sich Maria, Domenicos Begrüßung zu erwidern und unterhielt sich mit ihm. Sie stellten fest, dass sie beide aus der Basilikata stammten und beschlossen, eine Beziehung aufzunehmen. Jeden Abend kam Maria auf dem Rückweg von ihrer Arbeit am Laden vorbei, und Domenico begleitete sie nach Hause, doch er fand jedes Mal eine Ausrede, um ihre Eltern nicht kennenzulernen. Der junge Mann wusste, dass dies der erste Schritt zu einer offiziellen Verlobung gewesen wäre, die zur Hochzeit hätte führen müssen, aber er wusste auch, dass er sie niemals hätte heiraten können, da er in Italien seine Frau und zwei Kinder zurückgelassen hatte.

Der Vater von Maria, der Situation überdrüssig, befahl dem Mädchen, Domenico nicht wiederzusehen, und sie gehorchte bereitwillig und wechselte auch ihre Arbeitsstelle. Der Schuhputzer gab jedoch nicht auf und schaffte es, Maria einige Jahre später wiederzusehen, um sie davon zu überzeugen, ihre Beziehung neu aufzunehmen.

Das Mädchen ließ sich so von den Ereignissen einnehmen, dass sie auch ihre Jungfräulichkeit an Domenicoverlor, und die beiden beschlossen, zusammen zu leben. Trotzdem blieb die Ehe für Maria immer ein fernes Trugbild und Streitigkeiten waren dafür tägliche Realität.

Eines Tages beschloss das Mädchen, mit ihrer Mutter zum Schuhgeschäft zu gehen, um ihn zur Rede zu stellen, die Mutter flehte den Jungen an, ihre Tochter zu heiraten, weil ihr Vater sie nicht mehr zuhause aufnehmen wollte. Der junge Mann, der gerade Karten spielen wollte, lachte nur sarkastisch. Anfangs sagte er, Maria hätte nicht das richtige Kleid für eine Hochzeit, aber das Mädchen antwortete prompt, dass sie bereit sei, auch mit der Kleidung, die sie am Leibe trug, zu heiraten. Dann verlangte Domenico zweihundert Dollar als Gegenleistung für die Heirat, aber Marias Mutter antwortete, dass ihre Familie arm sei und nicht über diesen Betrag verfüge. Der Schuhputzer lachte wieder und sagte:„Nur ein Schwein kann dich heiraten“. In dem Moment riss sich Maria, blind vor Wut, ihren Mantel ab und schnitt ihm mit dem Rasiermesser, das sie bei sich trug, die Kehle durch.

Das Mädchen wurde sofort verhaftet und in das Gefängnis „Le Tombs“gebracht. Ihre Geschichte erregte hier die Aufmerksamkeit von Rebecca Salome Forrester, Witwe des Generals Forrester, die den Gefangenen ehrenamtlich Hilfe anbot. Trotz des starken Einflusses der Frau, gelang es nicht einmal ihr, die amerikanische Justiz zu stoppen. Am 11. Juni 1895 begann der Prozess gegen die Angeklagte Maria Barbello, es waren keine Italiener anwesend, und das Mädchen bezahlte den hohen Preis ihrer Auswanderung. Die mangelnde Sprachkenntnis ihrerseits und ihres Dolmetschers erlaubte es ihr nicht, angemessene Aussagen zu treffen. Fünf Tage später endete der Prozess mit einem Todesurteil, das erste gegen eine Frau.

Ihr Fall berührte das Herz von Cora Slocomb aus Brazzà, einer amerikanischen Gräfin, die aus Liebe nach Italien gezogen war. Die Frau glaubte an die Ideale von Gerechtigkeit und Gleichheit und war überzeugt, dass Maria nur der Sündenbock eines Landes war, das ernsthafte Probleme mit Integration und Rassendiskriminierung hatte. Cora entschloss sich, mit ihrem Ehemann nach New York zu fliegen. Hier gelang es ihr, die wichtigsten Behörden in Amerika zu mobilisieren und eine Kampagne für diesen Fall zu starten, die große Resonanz fand. Die drei wichtigsten Anwälte der Metropole stellten Maria ihre kostenlose Beratung zur Verfügung und beantragten die Wiederaufnahme des Verfahrens. Es begann ein neuer Prozess, der 24 Tage dauerte und zum vollständigen Freispruch von Maria Barbello führte.

Einige Jahre später gelang es Maria endlich, die Familie, nach der sie sich sehnte, zusammen mit einem italienischen Auswanderer aufzubauen, mit dem sie einen Sohn bekam.

Die Geschichte dieses lukanischen Mädchens wurde von IdonnaPucci, Urenkelin von Cora Slocomb, erzählt, die 1993 den Roman “Das Feuer der Seele" veröffentlichte. 2002 wurde dieser Band von Giunti überarbeitet und in Florenz unter dem Titel “Die Frau von Sing Sing. Nein zur Todesstrafe" veröffentlicht.2005 verlieh die Gemeinschaft Sant’Egidioder Stadt Ferrandina, Marias Geburtsort, den Titel “Stadt für das Leben, gegen die Todesstrafe".

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Die gebackenen Oliven

Die Landschaft rund um Ferrandina ist geprägt von dichten, grünen Olivenbäumen. In diesem Gebiet wird eine besondere Olivensorte, Majatica genannt, angebaut, die für die Herstellung von Öl und vor allem aber für ein typisches Rezept dieses lukanischen Dorfes verwendet wird, die gebackenen Oliven.

Die Oliven werden wenige Minuten in 90° C warmes Wasser getaucht und anschließend kurz gesalzen, wodurch sie teilweise getrocknet werden. Nach Abschluss dieser ersten Phase werden die Oliven bei einer Temperatur von 50° C in einen entsprechenden Trockner gegeben. Das ursprüngliche Rezept, das auf das 18. Jahrhundert zurückgeht, sah vor, dass die Oliven in einem Holzofen gebrannt wurden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschied man sich jedoch für neue Technologien, die dennoch den ursprünglichen Geschmack bewahrt haben, der sich durch eine Mischung aus Würzigkeit und natürlicherSüße auszeichnet.

Die gebackenen Ferrandina-Oliven können auf verschiedene Arten verkostet werden: sowohl einfach als auch gewürzt mit nativem Olivenöl, Knoblauch und Orangen- und Zitronenschalen. Sie passen gut zu Wurstwaren und gereiftem Pecorino, eignen sich aber auch für die Zubereitung von gelber Kürbissuppe und gedünstetem Kabeljau.

Die gebackenen Oliven sind ein wichtiger Bestandteil der lokalen Geschichte, ihre Einzigartigkeit und besondere Vielfalt haben sie zu einem zu schützenden Erbe gemacht und aus diesem Grund wurden sie in die Liste des Slow Food Präsidiums aufgenommen.

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